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1960 wurden die ersten drei Exemplare Deutschlands gebaut : Ältester Holz-Katamaran verwittert

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Reinhold Bartel fährt mit der Hand über den Rumpf des aufgebockten Katamarans. Reste roter Farbe blättern weg, das Sperrholz darunter ist grau. "Man könnte noch was daraus machen", sagt der 75-Jährige.

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erstellt am 07.Jul.2011 | 08:46 Uhr

Kühlungsborn/Rostock | Reinhold Bartel fährt mit der Hand über den Rumpf des kieloben aufgebockten Katamarans. Reste roter Farbe blättern weg, das Sperrholz darunter ist grau und verwittert. "Man könnte noch was daraus machen", sagt der 75-Jährige und lässt die Hand auf dem Holz liegen.

1960 wurden drei Katamarane Marke Eigenbau am Kühlungsborner Strand zu Wasser gelassen. Es waren die ersten Holzkatamarane Deutschlands. "Kühlungsborn hatte keine Seebrücke, von der wir ablegen konnten", erzählt Bartel. So mussten die Boote immer zum Strand gezogen und dann mit zehn und mehr Leuten ins Wasser gebracht werden. "Eine ungünstige Welle und wir waren wieder auf dem Trockenen. Oder gekentert."

Mit der Fakultät für Schiffbau der Rostocker Uni tüftelten die Segler an einem leichteren Bootstyp und stießen auf den Katamaran. Statt Plastik verwendeten die Segler wasserfestes Sperrholz. Die Fahrtüchtigkeit der Katamarane auch bei starkem Wind verblüfften selbst alte Hasen. Genau wie die Schnelligkeit. "Bei Regatten haben die uns immer unters Boot geguckt, ob wir einen Motor haben", erinnert sich Bartel grinsend.

Schnelle Boote in einem Ort direkt an der Außengrenze der DDR, das war verdächtig. "Aber wir wollten ja hierbleiben. Eine einzige Flucht, die hätte das Aus für den Segelclub bedeutet." Die Katamarane blieben und halfen dem Club, über die Jahre Segelunterricht und -sport anbieten zu können. Allein mit den Jollen hätten sich die Ausfahrten der Segler auf wenige Schön-Wetter-Tage reduziert. Insgesamt blieben die Katamarane 47 Jahre auf dem Wasser - bis 2007. Konzipiert waren sie ursprünglich für zehn Jahre Betriebsdauer. Nun verwittert der letzte Katamaran in Kühlungsborn. Wird er nicht schnell restauriert, ist er verloren. Bartel würde den "K3" gern wieder auf dem Wasser sehen. "Es ist so ein stabiles und bequemes Schiff. Die modernen Katamarane , auf denen man in der Trapezhose steht und sich in den Wind legt, das wär ja nichts für mich", sagt der 75-Jährige.

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