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Raupentod : Abflug der Spinner

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach Luftbekämpfung Befall des Eichenprozessionsspinners deutlich reduziert. Bundesamt lehnt Biozid-Einsatz ab

svz.de von
erstellt am 04.Aug.2014 | 21:00 Uhr

Raupentod nach Chemieeinsatz: Die Luftbekämpfung des gefährlichen Eichenprozessionsspinners zeigt offenbar Wirkung. Nach dem Hubschraubereinsatz vor etwa zehn Wochen im Landkreis Ludwigslust-Parchim sei der Spinnerbefall deutlich zurückgegangen, erklärte Joachim Vietinghoff, Vize-Chef des Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALFF), gestern gegenüber unserer Zeitung. Das hätten Kontrollen an 100 verschiedenen Befallsorten ergeben. Zwar seien an einigen Stellen erneut Nester entdeckt worden. Es sei aber zu einer deutlichen Reduzierung gekommen, meinte Vie-tinghoff.

Rund um Ludwigslust, zwischen Hagenow und Lübtheen, Eldena, Dömitz, nahe Boizenburg in Westmecklenburg, auch in Schwerin und im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte: Der Eichenprozessionsspinner breitet sich seit Jahren aus. In diesem Jahr seien in den Ämtern Röbel und Mirow ein stärkerer Befall festgestellt worden, sagte Vietinghoff. Die Brennhaare der Raupen können bei Berührung zu heftigen Hautreaktionen, Entzündungen der Augenbindehaut oder der Luftwege bis zu allergischen Schockreaktionen führen. Ende Mai waren die Raupen auf etwa 1000 Hektar, im Jahr davor auf 2400 Hektar aus der Luft bekämpft worden.

Trotz des Erfolgs, der Biozid-Einsatz lässt mittlerweile Zweifel aufkommen. In einem vor kurzem vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn vorgelegten Papier wird von einem weiteren Einsatz des vom Bund nur vorläufig bis 30. April 2016 zugelassenen Biozids Dipel ES abgeraten: „Der Einsatz von Dipel ES aus Gründen des Gesundheitsschutzes ist grundsätzlich in Frage zu stellen. ... Der Wirkungsgrad ist für das Ziel des Gesundheitsschutzes als nicht ausreichend anzusehen.“

Die Kritik lässt Vietinghoff nicht gelten: MV habe gute Erfahrungen gemacht. Bei dem Biozid-Einsatz sei eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent erreicht worden – vor allem, da MV den Lufteinsatz „vom Optimum der Anwendungsbedingungen“ – entsprechende Lufttemperaturen, kein Wind und Niederschlag – und weniger vom Entwicklungsstand der Raupen abhängig gemacht habe, erklärte der LALFF-Vize: „Die Geschichte ist erfolgreich.“ Seinem Eindruck nach sei der Populationsdruck geringer als noch vor Jahren.

Das Bundesumweltamt bleibt trotzdem misstrauisch: In dem Papier werden durch den Biozid-Einsatz erhebliche negative Umweltauswirkungen gesehen – stärkere als bisher angenommen: „Dies betrifft sowohl auf Eichen vorkommende Insektenarten als auch indirekt Populationen von Singvögeln und Fledermäusen.“ Problematisch sehen die Experten auch die Zulassungsverfahren für die Biozidprodukte. Oftmals würden die Mittel per Notzulassung nicht mehr nach Pflanzenschutz- oder Biozid- sondern das Ordnungsrecht genehmigt. Mit Folgen: „Die nach Pflanzenschutzrecht oder Biozidrecht einzuhaltenden Normen und Auflagen werden im Einzelfall missachtet“, so die Experten.

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