Sicherheit : 80 000 Waffen in Privathand

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Immer wieder kommt es auch in MV zu Unfällen mit Schusswaffen. Die Zahl der legalen Waffen in Privathand geht trotz Bevölkerungsschwund seit 1999 kaum zurück. Jäger und Sportschützen besitzen die meisten Gewehre und Pistolen.

svz.de von
16. März 2014, 21:30 Uhr

Unfälle mit Schusswaffen gibt es immer wieder. So starb etwa Ende 2013 bei Rostock ein 55 Jahre alter Jäger. Beim Verstauen der Gewehre hatte sich bei dem Freund des Opfers ein Schuss gelöst. Im August wurde auf Rügen ein Traktorfahrer bei der Rapsernte durch Schüsse lebensgefährlich am Bauch verletzt. Der Schütze, ein Jäger aus Nordrhein-Westfalen, hatte von einem Hochsitz aus auf eine Bache mit Frischlingen gezielt, die aus dem Feld lief. „Unfälle sind zu vermeiden, wenn die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden“, sagte Wildmeister Henning Voigt vom Landesjagdverband.

Nach dem aktuellen Waffenreport des Landes geht sowohl die Zahl der Privatbesitzer als auch die der Gewehre und Pistolen in heimischen Waffenschränken trotz Bevölkerungsschwunds seit rund 15 Jahren kaum zurück. 2013 reduzierte sich die Zahl derjenigen, die privat über einen Waffenschein verfügen, nur marginal gegenüber dem Vorjahr um 563 auf 21 079 Bürger. Damit waren statistisch mehr als 13 von 1000 Einwohnern im Nordosten legal im Besitz erlaubnispflichtiger Schusswaffen, wie das Innenministerium mitteilte.

Abrüstung scheint nicht in Sicht. Die Zahl der privaten Schusswaffen verringerte sich 2013 nur um 485 auf 79 967 im Vergleich zum Vorjahr. Damit entfielen auf jeden rechtmäßigen Besitzer etwa 3,8 Waffen und auf 1000 Einwohner im Land fast 49 private Schusswaffen. Der Bundesdurchschnitt lag im Vergleich dazu laut Ministerium aber noch höher – bei mehr als 66 Privatwaffen pro 1000 Einwohner.

Die meisten Waffen im Nordosten haben die 12 000 Jäger in ihren Schränken und Tresoren verwahrt. 57 Prozent der legalen Waffenbesitzer sind Inhaber eines Jagdscheins. Eine weitere große Besitzergruppe (37 Prozent) verkörpern die rund 7600 Sportschützen. Hinzu kommen rund 500 Beschäftigte von Sicherheitsfirmen.

Für das private „Aufrüsten“ gibt es reichlich Möglichkeiten. So erhöhte sich 2013 die Zahl der Waffenhändler und -hersteller in MV um 8 auf 54 Unternehmen. Deren Lagerbestände sind in der Statistik ebenso wenig erfasst wie die Dienstwaffen der Polizei. Gekauft werde aber auch über Versandhäuser, Großhändler und zunehmend das Internet.

Der Landesjagdverband will von den immer wieder kritisierten „Erntejagden“ von Hochsitzen am Rande der Felder aus nicht abrücken. „Um Wildseuchen und Wildschäden vorzubeugen, müssen mindestens 50 000 Wildschweine im Jahr erlegt werden“, erklärte Voigt. Jeder Unfall sei aber einer zu viel.

Kontrolliert wird der zivile Waffenbesitz durch die Ordnungsämter der Landkreise und der kreisfreien Städte. Laut Waffengesetz erfolgt dies aber nur stichprobenartig und keinesfalls ständig flächendeckend. Problematisch sei, dass die Kommunen bisher nicht dazu verpflichtet sind, mögliche rechtsextremistische Hintergründe von privaten Waffenbesitzern zu prüfen, monierte Innenminister Lorenz Caffier (CDU).

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