Gedenken : 77 Jahre Pogromnacht: Neue Sorge

Ein Gedenkstein erinnert an die alte Synagoge am Schlachtermarkt in Schwerin. Auf dem Hinterhof an gleicher Stelle steht inzwischen ein Neubau.
Ein Gedenkstein erinnert an die alte Synagoge am Schlachtermarkt in Schwerin. Auf dem Hinterhof an gleicher Stelle steht inzwischen ein Neubau.

Sellering erinnerte an die Angriffe auf das jüdische Leben in Deutschland am 9. November 1938.

svz.de von
09. November 2015, 08:00 Uhr

Einen Tag vor dem geschichtsträchtigen 9. November hat Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) an die Angriffe auf das jüdische Leben in Deutschland 1938 und die Öffnung der innerdeutschen Grenze 1989 erinnert und sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt ausgesprochen.

Damit habe die systematische Vernichtung allen jüdischen Lebens begonnen, sagte Sellering. „Wir gedenken aller Opfer des grauenhaftesten Verbrechens in der deutschen Geschichte.“ Auch auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern wurden im November 1938 von den Nazis Synagogen zerstört, so zum Beispiel in Schwerin, Rostock, Stralsund und Pasewalk.

Der 9. November zeige, dass Demokratie und Freiheit keine Selbstverständlichkeit seien, sagte der Regierungschef gestern in Schwerin. Derzeit versuchten Rechtsextremisten, die starke Zuwanderung nach Deutschland und die damit verbundenen Ängste in der Bevölkerung für ihre Zwecke zu missbrauchen. Die wichtigste Lehre aus dem 9. November sei, „dass wir Rechtsextremisten entschlossen entgegen treten müssen“. Alle seien gefordert, für ein weltoffenes und demokratisches MV einzutreten.

Unter Juden gibt es angesichts des großen Zuzugs muslimischer Flüchtlinge Sorge über einen möglicherweise zunehmenden Antisemitismus. „Wenn man zwanzig oder dreißig Jahre lang mit einem israel- und judenfeindlichen Bild aufgewachsen ist, dann wird man dieses Bild nicht einfach an der deutschen Grenze aufgeben“, hatte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, im Oktober gesagt. Allen Flüchtlingen müsse deshalb nahegelegt werden, dass in Deutschland die Ablehnung jeglicher Form von Antisemitismus sowie das Bekenntnis zum Existenzrecht Israels zum Wertekanon dazugehörten. Vor 77 Jahren wurden an vielen Orten in Deutschland Synagogen angezündet und Menschen jüdischen Glaubens drangsaliert, misshandelt oder getötet, sagte Sellering. Heute finden daher im ganzen Land Mahn- und Gedenkstunden statt.

Der 9. November stehe aber auch für den Fall der Mauer und gehöre deshalb für viele Menschen in Deutschland zu den schönsten und spannendsten Tagen in ihrem Leben. Vieles habe sich seitdem positiv entwickelt. Es sei ein großes Glück, „dass wir Deutschen heute in Demokratie und Freiheit vereint in einem Land leben“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen