62 Tage entscheiden über den Sommer

<fettakgl>Novum und Chance für kurzentschlossene Gäste:</fettakgl> Waren die Touristenhochburgen sonst um diese Jahreszeit nahezu restlos voll, sind derzeit  noch immer in einigen Orten Zimmer zu bekommen, sogar in den Top-Lagen.
Novum und Chance für kurzentschlossene Gäste: Waren die Touristenhochburgen sonst um diese Jahreszeit nahezu restlos voll, sind derzeit noch immer in einigen Orten Zimmer zu bekommen, sogar in den Top-Lagen.

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22. Juni 2012, 10:19 Uhr

Schwerin | Früh wie lange nicht haben die Sommerferien begonnen: Nach dem Start in Berlin am Mittwoch, in Brandenburg und Hamburg gestern zum kalendarischen Sommeranfang folgen heute Mecklenburg-Vorpommern und am Montag Schleswig-Holstein. Die letzten Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg verabschieden sich in die schulfreie Zeit, wenn sich die Frühstarter schon wieder auf die Schule vorbereiten. "Sommerferien-Korridor" nennen Touristiker diese Zeit des Jahres. Ihr Wunsch dafür: Je länger, desto besser. 2012 mit 83 Sommerferientagen gefällt ihnen allein darum schon recht gut.

In Mecklenburg-Vorpommern rollt derzeit die erste Anreisewelle von Sommerurlaubern an. Die Bouletten, die sie etwas respektlos genannt werden, rücken an - sprich die Nachbarn aus Berlin und Brandenburg. Nach wie vor stehen bei ihnen Ostsee und Seenplatte hoch im Kurs, wie überhaupt in allen neuen Bundesländern und den nördlichen alten. "Bis nach Hessen und Nordrhein-Westfalen", sagt Tobias Woitendorf, Sprecher des Landestourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Rund 97 Prozent der Menschen, die hier zu Lande ihren Urlaub verbringen, stammen aus Deutschland. Drei Prozent kommen aus den Niederlanden, aus Schweden, Dänemark und der Schweiz. "Aus der Schweiz verbuchen wir die größten Zuwächse", sagt er.

In einem so wichtigen wie empfindlichen Erwerbszweig wie dem Tourismus wird jedes Detail erfasst, und bewertet. Unter anderem gilt Mecklenburg-Vorpommern als Familien-Reiseziel Nummer 1 bundesweit. Gut ein Drittel aller Gäste sind Familien. "Und zwar konstant, obwohl doch die absolute Zahl von Familien kleiner wird", betont Tobias Woitendorf. Nach dem Regen sommer 2011 fallen die Prognosen für 2012 verhalten aus. Noch. Fest steht aber: Es soll wieder besser laufen. Nach 27,6 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr werden nun 28 Millionen angestrebt, so hatte Jürgen Seidel, Präsident des Tourismusverbandes, verkündet. "Wir sind sehr gut auf die neue Saison vorbereitet", sagte er. Seit Jahresanfang wurden immerhin schon 5 Millionen Übernachtungen gezählt, ein Plus von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die kommenden beiden Monate, der Juli und der August, entscheiden über die Jahresbilanz. Runde 10 Millionen Übernachtungen sollten zusammen kommen in den 62 Tagen. "Wir brauchen gutes Wetter", sagt Tobias Woitendorf. Meteorologen lassen sich zwar meist nicht zu Vorhersagen von mehr als drei, vier Tagen bewegen, der Potsdamer Klimaforscher Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe wagte dennoch eine Einstufung des Sommers 2012 als "einigermaßen normal". Ein heißer Sommer bleibt seiner Ansicht nach aus. Nach dem eher trockenen Frühjahr erwartet er in den kommenden Monaten eine warme, aber auch wechselhafte Witterung.

Die Touristiker dürften damit halbwegs zufrieden sein. "Die wenigsten Urlauber wollen ja ausschließlich am Strand liegen", schätzt Tobias Woitendorf ein. Naturerlebnis sei angesagt, vorzugsweise beim Radfahren und bei der Fortbewegung auf dem Wasser, sowohl aktiv mit Kanu oder Wassertreter als auch passiv auf Fahrgastschiffen oder Hausbooten. Wetterunabhängigen Zeitvertreib ermöglichen Erlebnisbäder, Hallenspielplätze oder Museen allerorten, von den Flaggschiffen Ozeaneum und Müritzeum bis hin zu vielen kleinen Ausstellungen. "Das Publikum bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern hat sich ja schon lange als wettererprobt erwiesen", so Tobias Woitendorf.

Derzeit sind in den Urlaubsgebieten an Ostsee und Seenplatte noch etliche Quartiere frei, selbst in den 1A-Lagen, wie der Tourismusverband informiert. Im laufenden Juni wurden rund 6000 Vorbuchungen weniger gezählt als 2011. Die Gäste zögern offenbar mit Blick auf das noch immer unbeständige Wetter. Manche Touristiker bangen. Spontanreisende hingegen können von der Situation profitieren. Drei Tage Heringsdorf im Juli beispielsweise sind durchaus noch zu haben. Tobias Woitendorf spricht für die Branche: "Wir sind bereit, das große Feld der unentschlossenen Gäste sehr zufrieden und glücklich zu machen." Sie müssen sich nur auf den Weg machen ins Urlaubsland Nummer 1.

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