Gesundheitswesen : 30 Hausarztpraxen in akuter Gefahr

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Gesetzesänderung bedroht Versorgung / Heute Hausärztetag in Rostock

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28. November 2014, 08:09 Uhr

30 Hausarztsitze und fast die Hälfte der Kinderarztpraxen im Land könnten entfallen, wenn die Bundesregierung ihr geplantes Versorgungsstärkungsgesetz umsetzt. „In einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern ein unvorstellbares Szenario“, so der Vorsitzende des Hausärzteverbandes im Land, Dr. Dieter Kreye.

Auf dem heute in Rostock beginnenden Hausärztetag – einer zweitägigen Veranstaltung, die in erster Linie der Fortbildung dient – werden die Rahmenbedingungen der Arbeit wieder viele Diskussionen bestimmen. Das Versorgungsstärkungsgesetz sieht vor, dass Praxen in formell überversorgten Regionen nicht mehr nachbesetzt werden dürfen. In MV wären davon insgesamt gut 450 Arztpraxen verschiedenster Fachgebiete betroffen – fast ein Fünftel aller Praxen im Land. Was in Ballungsgebieten durchaus Sinn haben und zu einer Verlagerung der Arztsitze aus städtischen Ballungszentren in ländlich geprägte Regionen führen kann, hätte in Mecklenburg-Vorpommern dramatische Folgen für die wohnortnahe medizinische Versorgung, warnen Ärzte. Die rein statistischen Maßstäbe für eine „Überversorgung“ seien 25 Jahre alt und würden die tatsächlich notwendige medizinische Versorgung nicht korrekt abbilden. Faktoren wie Überalterung der Bevölkerung, Multimorbidität, aber auch fehlende Mobilität blieben gänzlich unbeachtet.

In den letzten zehn Jahren hat Mecklenburg-Vorpommern nach Aussagen der gesundheitspolitischen Sprecherin der Linken-Landtagsfraktion, Karen Stramm, bereits 160 Hausarztpraxen verloren. „In den kommenden fünf Jahren werden etwa 200 Hausärzte in MV in den Ruhestand gehen. Da junge Hausärzte bundesweit Mangelware sind, droht vor allem stadtfernen Regionen eine dauerhafte Schließung von Praxen“, befürchtet die Linken-Politikerin.

Der Hausärzteverband sieht dennoch Lichtblicke. Bereits 2013 hatte es erstmals seit langem wieder mehr Hausärzte als im Vorjahr gegeben. Auch war die Zahl der jungen Mediziner, die sich hier im Land für eine Spezialisierung zum Allgemeinmediziner entschieden hatten, so groß wie nie. Kreye erhofft sich sogar einen noch größeren Zulauf, wenn demnächst die allgemeinmedizinische Weiterbildung auch finanziell attraktiver wird. „Per Gesetz bekommen die zukünftigen Hausärzte dann endlich das in Kliniken übliche Tarifgehaltsniveau garantiert“, so der Hausärzte-Chef.

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