290 Dörfer träumen von der Daten-Autobahn

Nur 60 Prozent der Haushalte in MV verfügen über einen  Breitbandanschluss
Nur 60 Prozent der Haushalte in MV verfügen über einen Breitbandanschluss

Bei Internet-Verbindungen zählt Mecklenburg-Vorpommern zu den rückständigsten Ländern Deutschlands. 290 von insgesamt 848 Gemeinden sind komplett vom DSL-Netz ausgeschlossen. Mit 1,3 Millionen Euro Fördergelder pro Jahr will das Land den Missstand beseitigen. Die ersten neun Dörfer bekommen 2009 ihre Auffahrt auf die Daten-Autobahn.

von
03. Dezember 2008, 09:14 Uhr

Schwerin/Rostock | Die Firma "Satz & Layout" in Gneven (Landkreis Parchim) musste im vergangenen Jahr in das zehn Kilometer entfernte Schwerin ziehen. Ein Hauptgrund: Die DSL-Leitung in Gneven reichte nicht für den täglichen Datentransfer des kleinen Unternehmens.

Kein Einzelfall, weiß Bernd Holter, Breitbandbeauftragter des Zweckverbandes für Elektronische Verwaltung in Schwerin. "Internetverbindungen sind längst ein Standortfaktor für Unternehmen geworden", sagt Holter. Vor allem die ländlichen und dünnbesiedelten Gebiete des Landes haben dadurch klare Wettbewerbsvorteile. Aber auch viele private Nutzer bleiben vom Highspeed-Surfen ausgeschlossen. "Schüler können dadurch Bibliotheken im Internet nicht nutzen, die elektronische Krankenschwester bleibt ausgerechnet für abgelegene Dörfer unerreichbar", zählt Holter Nachteile für den privaten Gebrauch auf.

Denn während bundesweit 98 Prozent der Haushalte Zugang zum Breitbandnetz haben, sind es in Mecklenburg-Vorpommern bisher nur 60 Prozent.

Dabei hatte die Deutsche Telekom lange damit geworben, dass der Nordosten nach Millioneninvestitionen Anfang der neunziger Jahre über das modernste Telefonnetz verfügt. Doch für die DSL-Technik ist diese Glasfasertechnik nicht ausgelegt. Bei der üblichen Kupfertechnik ist die große Entfernung zwischen dem Kundenanschluss und dem Netzknoten ein Hindernis. Bei Entfernungen von mehr als vier Kilomtern wird das Signal so abgedämpft, dass aus der Datenautobahn ein Datenfeldweg wird, teilt die Telekom mit.

Doch Anbieter scheuen die Investitionskosten für das Nachrüsten der Leitung in dünnbesiedelten Gebieten. "Diese technischen Lösungen sind allerdings recht kostspielig, so dass es beim weiteren Ausbau der Netze immer um den Aspekt der Wirtschaftlichkeit geht", erklärt ein Sprecher der Telekom.

Ein Angebot der Initiative "Breitband auf dem Land": Sollte es bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung des Anbieters eine Deckungslücke geben, kann diese durch Fördermittel und einen Eigenanteil der Gemeinde geschlossen werden. Mit jährlich insgesamt 1,3 Millionen Euro Fördergeld aus dem Landwirtschaftsministerium können die Kommunen rechnen. Voraussetzung: Den einmalig fälligen Eigenanteil von 10 000 bis 30 000 Euro müssen die Gemeinden mit 40 Prozent kofinanzieren. Neun Kommunen aus den Kreisen Güstrow, Bad Doberan, Ludwigslust, Rügen und dem Müritzkreis werden Anfang kommenden Jahres die Verträge unterzeichnen. Für weitere 60 Kommunen werden derzeit Angebote vorbereitet. Vorerst soll das in die in diesem Jahr gestartete Programm bis 2010 laufen. Holter rechnet damit, dass sich weitere Kommunen der Initiative anschließen werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen