Hafttage lieber vermeiden : 20 Millionen durch schwitzen statt sitzen

Gemeinnützige Arbeit anstelle von Haft spart eine halbe Million Euro im Jahr

svz.de von
04. März 2014, 21:45 Uhr

Jedes Jahr spart Mecklenburg-Vorpommern bares Geld, wenn Hafttage vermieden werden und stattdessen Verurteilte gemeinnützig arbeiten. Seit dem Jahr 2000 wurden so 20 Millionen Euro durch das Projekt „Schwitzen statt sitzen“ eingespart. Voriges Jahr war es fast eine halbe Million Euro. Ursache: Nicht jeder, der zu Geldstrafen verurteilt wurde, diese aber nicht abzahlen kann, landete im Gefängnis. Gut jeder zweite Fall wurde voriges Jahr durch gemeinnützige Arbeit abgegolten. Diese Möglichkeit ist in MV als „Schwitzen statt sitzen“ bekannt geworden.

So konnten im Jahr 2013 fast 60 000 Hafttage vermieden werden. Vor allem in den 2900 Fällen, in denen voriges Jahr Geldstrafen ausgesprochen wurden, die die Verurteilten nicht begleichen konnten. Justizministerin Uta-Mara Kuder (CDU) begrüßt es, wenn Ersatzfreiheitsstrafen der Gemeinschaft zugute kommen. „Wenn gemeinnützige Vereine die Arbeitskräfte für Landschaftspflege zum Beispiel nutzen können und die betroffenen Menschen dadurch ihre Geldstrafen begleichen, ist beiden Seiten geholfen.“ Bloßes Wegsperren würde die Situation vieler Betroffener meist noch verschlimmern, ist sich die Ministerin sicher. „Gemeinnützige Arbeit ohne aus dem sozialen Umfeld gerissen zu werden, öffnet das Bewusstsein für die zweite Chance, die einem gerade gegeben wird und die es zu nutzen gilt.“

Auf 14 Gefangene in MV kam voriges Jahr ein Gefangener, der eine Ersatzfreiheitsstrafe absaß. Im Schnitt waren es 92 Menschen pro Tag, die Geldbußen nicht zahlen oder Mietschulden nicht tilgen konnten. Unter den Betroffenen waren auch Schwarzfahrer oder Ladendiebe. Justizministerin Kuder: „Diese Entlastung ist gut, wenn man bedenkt, dass trotzdem pro Tag noch mehr als 90 Menschen ihre Ersatzfreiheitsstrafe im Schnitt hinter Gittern verbüßen.“ Der Anteil der Ersatzfreiheitsstrafen sank im Vergleich zum Zehn-Jahres-Hoch im Jahr 2012 mit 97 Fällen pro Tag nur leicht. Dagegen ist seit 2004 zu beobachten, dass es allgemein immer weniger Straftäter gibt. Vor zehn Jahren 1700 Gefangene, heute sind es im Schnitt 1300.

Ein Tag Ersatzfreiheitsstrafe entspricht einem Tagessatz. Das kostet den Steuerzahler von Jahr zu Jahr mehr. Hat im Jahr 2009 ein Hafttag noch 106 Euro gekostet, sind es heute schon fast 123 Euro. Zum Vergleich: Hamburg bezahlt für jeden Haftplatz pro Tag 155 Euro.


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