Politik : 13 Wochen Ferien

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Kein Bett mehr frei, Staus auf den Straßen: Die Ministerpräsidenten wollen die Länder-Ferientermine im Sommer entzerren

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12. März 2014, 18:18 Uhr

Sommer, Sonne, Ferien: Deutschlands Urlauber können sich ab 2018 bei der Ferienplanung auf eine längere Saison einstellen. Von Mitte Juni bis Mitte September: Die Ministerpräsidenten der Länder wollen heute auf ihrem Treffen in Berlin den Korridor für die Sommerferien auf 90 Tage ausweiten, und damit fast 20 Tage länger als beispielsweise in diesem Jahr.

13 statt Saison: Mit der heute auf dem Tisch der Regierungschefs liegenden Beschlussvorlage haben sich die Wirtschaftsminister gegen ihre Kollegen im Bildungsressort durchgesetzt. „Die Zeit ist reif, die Balance zwischen Bildung und Wirtschaft in Bezug auf den Ferienkorridor neu herzustellen“, erklärte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) gestern: „Ich erwarte einen Beschluss als Zeichen an die Wirtschaft und für den Tourismus in allen Bundesländern.“

Volle Strände, verstopfte Straßen, hohe Preise, überbuchte Hotels: Die bisherigen kürzeren Ferienzeiten bringen die Branche in der Saison an ihre Grenzen. Vor allem in diesem Jahr: Die Sommerferien in Deutschland erstrecken sich nur noch über 71 Tage – so kurz wie selten zuvor. Das Problem scheint indes in allen Regionen angekommen zu sein – erst beim letzten Brachentreffen auf der ITB in Berlin ein Thema für die gesamte deutsche Tourismuswirtschaft, meinte Jürgen Seidel, Chef des Tourismusverbandes MV, gestern. Längere Ferienzeiten seien vor allem für den Sommertourismus im Familienreiseland Nummer eins MV von großer Bedeutung. Und spült Geld in die Kassen: An jedem Tag verkürzter Ferienzeit gehen der Branche in MV nach konservativen Berechnungen drei Millionen Euro verloren – zehn Tage längere Ferien sind 30 Millionen Euro zusätzlich.

Einen solchen Beschluss haben Touristiker noch vor Monaten nicht für möglich gehalten. Seit mehr als 40 Jahren galt mit dem Hamburger Abkommen von 1971 die Ferienzeit zwischen dem 1. Juli und dem 10. September – 72 Tage. In den vergangenen Jahren ließen die Bildungschefs im Schnitt 83 Tage zu – und wollten die Saison für die Zeit zwischen 2018 und 2024 doch wieder auf 79,5 Tage eindampfen. Die Kultusminister gaben sich resistent gegenüber den Argumenten der Touristiker. Bei einer Ausdehnung der Sommerferienzeit auf 90 Tage könnten den Schülern kontinuierliche Lernzeiträume, Prüfungsabläufe und Unterrichtsphasen von mindestens sechs Wochen nicht mehr gesichert werden, lehnte die Kultusministerkonferenz ab. Noch im vergangenen Dezember ließen die Kultusminister ihre Kollegen aus dem Wirtschaftsressort mit einem entsprechenden Beschluss abblitzen. Jetzt scheint ein Kompromiss möglich – vor allem auf Druck von Wirtschaftsminister Glawe und seinem Staatssekretär Stephan Rudolf (beide CDU). Das letzte Wort bleibt aber den Kultusministern: Beobachter rechnen allerdings kaum damit, dass diese der in dem Beschluss formulierten Bitte der Regierungschefs, den Zeitkorridor für die Sommerferien von 90 Tagen „weitesgehend“ auszuschöpfen, widersetzen werden.


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