Berndt Seite : Politik ist mehr als Verwaltung

2011: Seite liest aus „Die Essais“, jetzt legt er sein achtes Buch vor
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2011: Seite liest aus „Die Essais“, jetzt legt er sein achtes Buch vor

Alt-Ministerpräsident Berndt Seite schreibt heute Bücher, ist Gasthörer an der Uni Rostock und bedauert die Wahlergebnisse der CDU

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26. Juli 2014, 07:55 Uhr

Was macht eigentlich Berndt Seite? Der CDU-Politiker, der nach der Wende Landrat im kleinen Kreis Röbel wurde, danach CDU-Generalsekretär in MV, löste 1992 auf dem Höhepunkt der ersten Werften-Krise den Greifswalder Geografie-Professor Alfred Gomolka als Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern ab. 1998 musste er dieses Amt an den damaligen SPD-Landeschef Harald Ringstorff abgeben, der umgehend die erste rot-rote Koalition in Deutschland bildete. Seite zog sich nach weiteren vier Jahren im Landtag aus der Politik gänzlich zurück.

Er fuhr als Gast mit großen Frachtschiffen über den Atlantik, widmete sich seinen Hobbys Fotografie und Reiten. Und er begann Bücher zu schreiben. Noch als 74-Jähriger schmiedet der als sittenstreng geltende Christdemokrat im Ruhestand in seinem Haus in Warlow bei Röbel frivole Verse:

„Er sah ihren wippenden Körper in einer Kurve der Fröhlichkeit/ Mit der Zartheit ihrer Jugend schlug sie eine Saite an/ Die in seiner Kammer schon lange nicht mehr erklang.“ Wenige Zeilen später deklamiert der gelernte Veterinär: „Ein morgendlicher Ritt durch die Landschaft/ ist wie ein Aufenthalt im Bett einer Jungfrau“. Der verheiratete Vater und Großvater hat seine Freunde mit seinem neuen Werk „N wie Ninive“ beglückt. Mit Berndt Seite sprach Max-Stefan Koslik.

Herr Seite, Sie haben ja nun schon vor zwölf Jahren der Politik den Rücken gekehrt, was haben Sie in den zurückliegenden Jahren angepackt?

Seite: Das Leben ist kurz. Im Ruhestand verkürzt es sich noch einmal. Ich war in der glücklichen Lage, nach der Politik noch einmal Neues anzupacken. Seit 2000 bin ich Gasthörer an der Uni Rostock in den Fächern Philosophie und Germanistik. In dieser Zeit konnte ich auch die Texte zu meinen acht erschienen Büchern verfassen.

Haben Sie nie mehr Lust auf Politik gespürt?

Nein, alles hat seine Zeit. Die Zeit nach dem Mauerfall war für alle Menschen im Osten schwer. Ich bin glücklich, dass ich zur Neuausrichtung ihres Lebens einen Beitrag leisten durfte. Heute tragen andere Frauen und Männer die Verantwortung für das Land. Kommentare muss und will ich zu ihrer Arbeit nicht abgeben. Das gehört sich nicht.

Was fehlt Ihnen am allerwenigsten?

Mir fehlt nichts. Ich bin nur noch für meine Familie und mich verantwortlich. Die Einheit Deutschlands hat das möglich gemacht. Das Land ist gut geordnet. Verantwortlich ist das Land nur, das Eigentum des Bürgers zu schützen und die Sicherheit seiner Bürger zu garantieren. Der Staat ist und darf nicht allzuständig sein.

Wenn Sie die Wahlergebnisse Ihrer Partei sehen, zuletzt 23 Prozent bei den Landtagswahlen, blutet Ihnen da nicht das Herz?

Ja, es ist schlimm, obwohl die Chance für eine erneute Führung durch die Union vorhanden ist. Politik erstreckt sich nicht nur auf die Verwaltung des Landes, sondern man muss für die eigenen Vorhaben brennen.

Sie haben Buchprojekte angepackt, das jüngste „N – wie Ninive“, worum geht es da?

Es ist ein Erzählband. Eine Erzählung handelt von dem bekannten Phantomschmerz. Ein Mann ist unterwegs, um sein verlorenes Bein zu suchen.„N wie Ninive“ ist meine Erzählversion vom Propheten Jona, dem mit dem Fisch. Und „Weißer Rauch“ handelt von der Besetzung einer Stasizentrale im Jahr 1989.

Wo kann man Berndt Seite treffen, wenn man auf eine Begegnung, eine Lesung, auf ein Gespräch Lust hat?

Am 16. August 2014, um 14 Uhr in der Dorfkirche Nossentin.

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