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Pflasterstreit und Kompetenzgerangel : Politik hält an Staatstheater-Chef fest

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Der Streit um die Zukunft des knapp vor der Insolvenz geretteten Mecklenburgischen Staatstheaters schlägt neue Wellen. Eine große Mehrheit der Kommunalpolitiker suchte den gemeinsamen Schulterschluss.

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erstellt am 13.Dez.2011 | 06:13 Uhr

Schwerin | Der Streit um die Zukunft des knapp vor der Insolvenz geretteten Mecklenburgischen Staatstheaters schlägt neue Wellen. Nachdem die Fraktion Unabhängige Bürger (UB) in der jüngsten Stadtvertretung die Neuausschreibung des Intendantenpostens gefordert hatte, suchte eine große Mehrheit der Kommunalpolitiker den gemeinsamen Schulterschluss. So stärkten sie dem Intendanten der städtischen Bühne Joachim Kümmritz den Rücken, dessen Vertrag am 30. Juni 2012 ausläuft.

Der Vorsitzende der CDU/FDP-Fraktion Sebastian Ehlers stellt sich vor den Intendanten, über den in den vergangenen Monaten "ein Kübel mit Dreck ausgeschüttet worden war", wie er sagt. Den Steuermann jetzt zu wechseln, sei ein Wagnis, so Ehlers weiter.

Die Situation: Aufgrund der finanziellen Not soll auf Kosten der Theatermitarbeiter gespart werden. Der Personalsektor bildet mit mehr als 80 Prozent des Budgets das größte Einsparpotenzial. Das ruft fünf Gewerkschaften auf den Plan, die den Beschäftigten den Rücken stärken und am kommenden Freitag von 11 Uhr an eine öffentliche Kundgebung vor der Staatskanzlei in der Schlossstraße organisieren. Ihr Ziel: Mehr Unterstützung durch das Land zu fordern, das seine finanziellen Zuwendungen seit vielen Jahren bei etwa neun Millionen Euro jährlich eingefroren hat. "Kümmritz ist der richtige Mann, um uns durch diese schwierigen Zeiten zu führen", erklärt auch Gerd Böttger, Fraktionsvorsitzender der Linken.

Kritische Stimmen fordern allerdings das Ende der Ära Kümmritz. Seit Anfang der 90er-Jahre leitet der Intendant das Staatstheater und "hat unbestritten seinen Verdienst geleistet", sagt der fraktionslose Stadtvertreter Manfred Strauß. Er war jahrelang Mitglied im Theateraufsichtsrat, verließ das Gremium jedoch aus eigenem Antrieb aufgrund unüberbrückbarer Diskrepanzen. Strauß hofft, dass mit einem neuen Intendanten auch frischer Wind in die städtische Bühne kommt. Ziel der Ausschreibung soll nicht nur die Abwendung der Insolvenz, sondern auch "der Erhalt des Mehrspartentheaters sein", sagt Rolf Steinmüller von den Unabhängigen Bürgern. Doch: "Wer soll sich für dies Aufgabe zur Verfügung stellen?", fragt Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke). Sie befürchtet, dass die Insolvenzgefahr mit einer neuen Führung nicht behoben sein wird. "Wir brauchen Menschen, die die schwierige Situation des Theaters kennen und sich nicht erst in die Materie einarbeiten müssen", sagt sie. Das Argument Steinmüllers, Kümmritz könne sich im Falle einer Ausschreibung des Intendantenpostens doch auch selbst bewerben, überzeugte die Stadtvertreter indes nicht. Nur fünf Hände hoben sich bei der Abstimmung im Rathaus für den UB-Antrag.

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