Landeskulturpreis MV : Poesie, Heimat, Arbeit

Der Filmemacher Dieter Schumann aus Basthorst bei Crivitz
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Der Filmemacher Dieter Schumann aus Basthorst bei Crivitz

Filmemacher Dieter Schumann mit Landeskulturpreis ausgezeichnet – Förderpreise für Literaturgesellschaft und Theater „Die Eckigen“

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19. November 2014, 20:30 Uhr

Den schönsten Satz in dieser an Reden reichen Feierstunde im Gol-denen Saal des Neustädtischen Palais’ in Schwerin sprach gestern der Geehrte selbst. Als sich der Filmregisseur Dieter Schumann für den Landeskulturpreis 2014 bedankte, beschwor er eine lange Reise herauf. „Und dann kommt man nach Hause und hört  von  Vater  und Mutter: ,Junge, das hast du gut gemacht.‘“

Zuvor hatte Ministerpräsident Erwin Sellering an die nunmehr 20-jährige Tradition der Landeskulturpreise erinnert,  die,  dotiert  mit  10 000 Euro, in all den Jahren an Denkmalpfleger, Chöre oder bildende Künstler verliehen wurden. Auch schon einmal an einen Mann vom Film, den langjährigen Filmkunstfestleiter Hasso Hartmann, der gestern auch zur Preisverleihung gekommen war.

Der Filmjournalist und Geschäftsführer der Defa-Stiftung Ralf Schenk würdigte in seiner Laudatio für Dieter Schumann dessen Engagement in den „Goldgräberzeiten der Nachwende“, als Schumann gemeinsam mit Kollegen und Freunden den ersten Filmverein in Mecklenburg-Vorpommern, das Landesfilmzentrum, die legendäre Poeler Dokumentarfilmwerkstatt oder auch das heute so erfolgreiche Schweriner Filmkunstfest gründete, dessen erster Leiter Schumann war. „MV schien auf dem Weg zu einem Filmland, doch vieles starb, als die Gelder knapper wurden, einen leisen Tod.“ Also kehrte Dieter Schumann nach zehn Jahren vorwiegend filmpolitischer Arbeit zu dem zurück, was er an der Babelsberger Filmhochschule gelernt hatte, Dokumentarfilme zu drehen.

Dabei hatten die Fernsehgötter der DDR nach Schumanns Studium andere Pläne mit ihm. Wer wie der 1953 in Ludwigslust Geborene zur See gefahren war, wäre doch der ideale Mann für maritimes Unterhaltungsfernsehen wie „Klock 8 achtern Strom“. Schumann sagte nein und war erstmal arbeitslos – was es ja in der DDR eigentlich nicht geben durfte. Dann konnte er doch seinen ersten Kurzfilm für die Defa drehen mit dem bezeichnenden Titel „A wie Anfang“.

Im frischen Wind der Perestroika entstand dann 1988 der Film Schumanns, der aus heutiger Sicht die Wende vorauszuspüren schien: „Flüstern und SCHREIEN“. Mit fast einer Million Kinozuschauern der erfolgreichste Defa-Dokfilm überhaupt. In dem Zweistunden-Roadmovie begleitete der Filmemacher Bands wie Silly, Sandow, Feeling B und Chicoree durchs Land und spiegelte so die reale Lebenssituation in der Endezeit der DDR wider. Leider versteckten dann gesamtdeutsche Fernsehchefs den Nachfolgefilm „Flüstern und SCHREIEN 2“ auf einen Sendeplatz um Mitternacht.

Schumanns Filme, so Laudator Schenk, wurzeln in den besten Traditionen der Defa. Immer gehe es ihm um die Wechselspiele des Lebens, um Poesie, Romantik, Heimat und vor allem um Arbeit. „Schumanns Filme kommen nie aus dem luftleeren Raum.“ Bestes Beispiel neben den „Mecklenburger Portraits“, in denen er Bäckern und Fischern oder den letzten Diakonissinnen Mecklenburgs ein Denkmal setzte, war zuletzt sein großer poetischer Sozialreport „Wadans Welt“. Dieser Film über den Stolz und die Würde Wismarer Werftarbeiter wurde in mehr als 80 Ländern gezeigt. Rainer M. Schulz, Schumanns Kameramann seit 30 Jahren, bekam für diesen Film den Deutschen Kamerapreis.

Wie Ralf Schenk verriet, arbeitet Dieter Schumann in seiner Basthorster Filmmanufaktur an einem neuen Projekt – er will in 50 Dokfilmen ein lebendiges Porträt seiner Heimat und deren Menschen zeichnen. Diese Filme, so der Wunsch des Landeskulturpreisträgers, könnte man dann ja mit bereits entstandenen Arbeiten als audivisuelles Gedächtnis des Landes in einem Museum neben den stummen Werken der Vergangenheit ausstellen.

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