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Erhebliche Mehrkosten befürchtet : Plenarsaal: 26 Millionen reichen nicht

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Der Landtag bekommt im Schloss einen neuen Plenar- und einen Konferenzsaal für knapp 26 Millionen Euro. Das entschied gestern die Baukommission. Doch Experten befürchten beim Umbau erhebliche Mehrkosten.

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2012 | 07:28 Uhr

Schwerin | Nach nur knapp einer halben Stunde stand gestern die Entscheidung in der Baukommission des Landtages fest. "Wir haben uns für den Bau des neuen Plenarsaals und für die Variante A entschieden", sagte Wolf-Dieter Ringguth, Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, nach der Sitzung.

Außerdem beschloss die Kommission, dass der Landtag als Hausherr auch Bauherr in diesem Abschnitt des Schlosses wird. Bislang organisierte der beim Finanzministerium angesiedelte Bereich Bau und Liegenschaften (BBL) sämtliche Bauarbeiten. "Ich begrüße ausdrücklich, dass nun die Verantwortung für Sanierung und Umbau bei der Landtagsverwaltung liegt", freute sich Norbert Nieszery, Fraktionsvorsitzender SPD. Diese Lösung sei praktikabler, meinte auch Peter Ritter von der Linksfraktion, weil Auswirkungen der Bauarbeiten auf die Parlamentsarbeit wie Absperrungen, Umzüge oder Beeinträchtigungen durch Lärm direkt mit der Verwaltung besprochen werden könnten.

Auch im Finanzministerium zeigte man sich hoch zufrieden, dass das BBL nicht mehr die Verantwortung für den Umbau des Plenarsaales tragen muss, weil man die schwer kalkulierbaren finanziellen Risiken beim Umbau fürchtet. Mit gutem Grund: Nach der beschlossenen Variante A wird ein kreisrunder Plenarsaal im heutigen Festsaal eingebaut, ein modernes Konferenzzentrum mit Lobby im heutigen Plenarsaal errichtet und das sechste Obergeschoss statisch gesichert - Gesamtkosten 21,6 Millionen Euro plus 4,3 Millionen Euro pauschaler Risikozuschlag.

Doch der Umbau kann durchaus viel teurer werden. Nach Informationen unserer Redaktion hat der Münchner Architekt Tilman Joos, Sieger im Wettbewerb um den Neubau des Plenarsaals, die Baukommission in einer Sitzung im Dezember 2011 detailliert und ausführlich auf noch unbekannte mögliche Risiken hingewiesen. "Kostenrisiken könnten sich aus dem Zustand der Mauerwerkswände ergeben", heißt es im Sitzungsprotokoll der Baukommission vom Dezember. Denn der Schlossteil stand nach dem Brand 1913 zwei Jahre ohne Dach. Auch vermutet der Architekt, dass hinter Täfelungen im Plenarsaal und in der Lobby historische Malereien und Stuckdecken aus dem Jahr 1850 zum Vorschein kommen könnten, die nach Denkmalschutz-Richtlinien aufwendig restauriert werden müssten.

Eventuelle Giftstoffe in den Holzkonstruktionen wie auch der bislang noch ungeklärte Zustand der Balkenköpfe in der Holzbalkendecke seien ebenfalls ein Kostenrisiko.

Abgeordnete teilten gestern die Befürchtungen. Doch mehrheitlich herrscht die Meinung, dass es zur Sanierung keine Alternative gibt. "Und dann machen wir es gleich richtig", meinte Peter Ritter von den Linken.

Die Abgeordneten müssen nun die bislang veranschlagten knapp 26 Millionen Euro in den Entwurf des Doppelhaushaltes 2012/2013 aufnehmen. Erst dann kann planmäßig Anfang 2013 mit dem Umbau begonnen werden. Anfang 2016 soll der neue Plenarsaal fertig sein. Ende 2017 folgen das Konferenzzentrum und die Lobby.

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