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Mecklenburg-Vorpommern

18. Dezember 2017 | 19:43 Uhr

Pleite-Werft: Hunderte ohne Job

vom

svz.de von
erstellt am 26.Sep.2013 | 07:34 Uhr

Stralsund | Job-Katastrophe im Dock: Die Pleite der mit Millionen-Bürgschaften unterstützten P+S-Werft in Stralsund hat für hunderte Werftarbeiter handfeste Konsequenzen. Die Agentur für Arbeit rechnet damit, dass sich bis zu 1200 Werftarbeiter arbeitslos melden könnten. 455 Arbeitnehmer hätten sich bereits gemeldet, die nach dem Aus der Transfergesellschaft ab 1. November arbeitslos seien, sagte der Leiter der Agentur für Arbeit in Stralsund, Jürgen Radloff. Derzeit sind in der Transfergesellschaft 720 Werftarbeiter beschäftigt. Zudem werden in den kommenden Monaten mit der Fertigstellung der DFDS-Transportschiffe auch die Arbeiten der Stralsunder Schiffbaugesellschaft zurückgefahren, in der derzeit weitere 450 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Damit wächst der Zeitdruck bei der Suche nach einem Investor für die Pleite-Werft. Neben dem Eigner der beiden Nordic-Werften Wismar und Warnemünde, Witaly Jussufow, hat auch eine Staatsholding aus Tartastan, ein deutsch-französisches Konsortium und ein dänisches Offshore-Unternehmen Interesse an der Werft angemeldet. Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann geht davon aus, die Werft bis zum Jahreswechsel verkaufen zu können. Hunderten Schiffbauern wird zumindest für einige Woche die Arbeitslosigkeit nicht erspart bleiben. Neben den Interessenten, die nach dem Kauf der Werft wieder Arbeitskräfte benötigten, würden in anderen Betrieben Vorpommerns Metallbauer gesucht, sagte Agenturchef Radloff. Der Wechsel in kleinere Betriebe ist vermutlich aber mit Lohneinbußen verbunden. "Die Werft hat als großer Betrieb Löhne nach dem Metalltarif gezahlt, anders als dies den kleineren und mittleren Unternehmen in der Region möglich ist", sagte Radloff. Nach Branchenangaben liegt der Lohn in regionalen Metallbetrieben 30 bis 50 Prozent unter dem Werftenlohnniveau. Überregional siehe die Situation aber besser aus. "In anderen Regionen suchen auch Großbetriebe mit deutlich besseren Lohnangeboten nach Fachkräften aus dem Metallbereich." Der Chef der Transfergesellschaft der P+S-Werften, Oliver Fieber, rechnet im Oktober noch mit viel Bewegung. Rund 250 Mitarbeiter könnten noch im Oktober und November in neue Arbeitsverhältnisse eintreten.

Die Stralsunder Arbeitsagentur hat sich bereits auf den Ernstfall eingestellt und ein Sonderteam von fünf Mitarbeitern gebildet. Nach Angaben der Agentur sind seit der Insolvenz im August 2012 rund 300 Mitarbeiter aus Zuliefer-Firmen arbeitslos geworden. Von den 1690 Mitarbeitern in der Transfergesellschaft haben nach Angaben Fiebers 340 einen Job gefunden, u. a. bei der Bremer Lürssen-Gruppe, die im Mai 2013 die Werft in Wolgast übernommen hatte. 630 haben ein befristetes Arbeitsverhältnis bei der Stralsunder Schiffbaugesellschaft oder Zeitarbeitsfirmen begonnen.

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