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Sensationsfund entpuppt sich als Fälschung : Plastikmumie mit Stirnband

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Der Fall roch nach Krimi, fast wie in einer alten "Tatort"-Folge: Auf einem Dachboden wird eine Mumie gefunden, und der vermeintliche Sensationsfund entpuppt sich dann auch noch als aktuelles Verbrechen.

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erstellt am 26.Sep.2013 | 11:26 Uhr

Verden/Diepholz | Der Fall roch nach Krimi, fast wie in einer alten "Tatort"-Folge: Auf einem Dachboden wird eine Mumie gefunden, und der vermeintliche Sensationsfund entpuppt sich dann auch noch als aktuelles Verbrechen. So ähnlich bahnte es sich im August im niedersächsischen Diepholz an, als ein zehnjähriger Junge auf dem Dachboden seines Großvaters stöberte.

Der Nachwuchsforscher entdeckte eine Totenmaske sowie einen Sarkophag mit einer Mumie. Nach ersten Untersuchungen sollte sie 2000 Jahre alt sein. Als eine Computertomographie (CT) noch einen Pfeil in der Augenhöhle des Skeletts sichtbar machte, wurde die Justiz hellwach und ermittelte wie in einem Kriminalfall.

Doch jetzt hat sich fast alles als Fälschung erwiesen. "Die mit Bandagen umhüllte Mumie entpuppte sich als Plastikskelett", sagt der Verdener Staatsanwalt Lutz Gaebel gestern nach Untersuchungen in der Hamburger Gerichtsmedizin. Dort sollten Experten prüfen, ob der Leichnam aus jüngerer Zeit stammt und der einbalsamierte Mensch möglicherweise Opfer eines Verbrechens wurde.

Doch beim Auspacken der Mumie kam die Fälschung aus Plastikknochen und Füllmaterial wie Papier-Küchentüchern ans Tageslicht. Das Ganze war mit einer unbekannten Substanz besprüht und hatte zu einer falschen CT-Analyse geführt. Auch der Pfeil und die Bandagen sollen neueren Ursprungs sein.

Für Justizsprecher Gaebel in Verden ist der Fall kein peinlicher Expertenirrtum. "Es ist bewusst so manipuliert worden, dass es ohne ein Lösen und Beschädigen der Bandagen zu einer falschen Diagnose kommen konnte", sagt er. Wer oder was hinter dieser Täuschung stecken könnte? "Keine Ahnung, wir beteiligen uns nicht an Spekulationen", so Gaebel.

Immerhin hat sich gezeigt, dass an der falschen Mumie tatsächlich ein echter Schädel war. Der soll allerdings fachgerecht präpariert worden sein, wie es etwa bei Übungsmodellen für die medizinische Ausbildung üblich ist. "Der Schädel wird nun genauer untersucht, dann kann das Todesfallermittlungsverfahren abgeschlossen werden", sagt Gaebel.

Der Vater des Jungen, der die Mumie gefunden hat, versteht inzwischen die Welt nicht mehr. "Erst sollte es ein historisches Fundstück sein, dann kam der Verdacht eines Verbrechens auf", sagt Lutz Wolfgang Kettler der Nachrichtenagentur dpa. "Vielleicht ist es nur eine billige Fälschung mit einem Karnevalsskelett und einem Kinderpfeil. Jedenfalls ist die Mumie jetzt ausgepackt und damit zerstört worden - schade, denn sonst hätte man sie ausstellen können."

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