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Ein Drittel der Mecklenburger leidet unter Pegel : Pläne gegen Straßenlärm in MV

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Die lauteste innerstädtische Straße in MV trägt den Erholung verheißenden Namen "Am Strande" und verläuft in Rostock entlang des Alten Hafens.

48 000 Fahrzeuge passieren täglich die Strecke.

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erstellt am 22.Jul.2013 | 12:05 Uhr

Güstrow/Rostock | Die lauteste innerstädtische Straße in MV trägt den Erholung verheißenden Namen "Am Strande" und verläuft in Rostock entlang des Alten Hafens. 48 000 Fahrzeuge passieren täglich die Strecke, wie Hermann Lewke vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) in Güstrow sagt. Touristen finden dort nahe des Stadtzentrums große Parkplätze, es gibt Handel und Gewerbe. Aber an der Straße wohnen auch Rostocker, dort gehen Kinder zur Schule. Nach Berechnungen des Landesamtes leben an der Durchfahrtsstraße mehr als 420 Menschen mit einem Lärmpegel, der krank machen kann.

"Als Auslösewert gelten mehr als 65 Dezibel am Tag und mehr als 55 in der Nacht", erläutert Lewke. In ganz Rostock leiden nach Angaben des stellvertretenden Abteilungsleiters im Umweltamt der Hansestadt, Steffen Nozon, 2500 der 202 000 Einwohner unter gesundheitsschädigendem Lärm. Dieser verursacht laut Umweltbundesamt Veränderungen etwa bei Blutdruck und Herzfrequenz. Der Körper schüttet vermehrt Stresshormone aus, die in Stoffwechselvorgänge des Körpers eingreifen. Es kann zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen.

Das LUNG hat den Lärm in MV 2012, wie von der EU gefordert, flächendeckend kartiert. Die Lärmkarten sind im Internet für jeden einsehbar. Für die rund 90 Ämter und amtsfreien Gemeinden war nur der Straßenlärm zu erfassen, wie Lewke berichtet. Aufgenommen wurden Strecken mit mehr als 8200 Fahrzeugen pro Tag und einem Lärmpegel ab 55 Dezibel am Tage. Solch einem Geräuschpegel ist Schätzungen zufolge etwa ein Drittel der Einwohner ausgesetzt.

"Kreisstraßen haben oft eine hohe Lärmbelastung", sagt Lewke. Im Vergleich zu anderen Bundesländern hätten viele Städte keine Umgehungsstraßen, selbst der Schwerlastverkehr gehe mitten durch die Orte. Betroffen seien etwa Waren, Mirow, Teterow, Wolgast und Bergen auf Rügen. Bei Straßenneubauten hätten Anwohner einen Rechtsanspruch auf Lärmschutz. So sei der Lärmpegel entlang der A20 nicht zu hoch, vielerorts wurden Lärmschutzwälle errichtet. Das subjektive Empfinden der Anwohner könne natürlich anders sein.

Rostock als größte Stadt ist der einzige Ballungsraum im Land und wurde Lewke zufolge detaillierter kartiert. Dort wurden auch die Straßenbahnen, der Seehafen und Gewerbebetriebe einbezogen. Flughäfen mussten wegen des geringen Flugbetriebes nicht berücksichtigt werden, den Lärm an Bahnstrecken erfasst künftig das Eisenbahnbundesamt. Ein Jahr hatten die Kommunen Zeit, um Lärmaktionspläne zu erarbeiten, die Maßnahmen zur Verminderung des Straßenlärms festschreiben. "Ein Jahr war zu wenig", sagt Lewke. Höchstens die Hälfte der Kommunen habe ihre Planung fristgerecht Mitte Juli eingereicht, die anderen hätten eine Verlängerung beantragt. Die Pläne sollen künftig alle fünf Jahre überarbeitet werden.

In Rostock ist der Lärmaktionsplan im Entwurf fertig, im September soll er öffentlich ausgelegt und im Herbst durch die Bürgerschaft verabschiedet werden. Nozon hält es für wichtig, die Öffentlichkeit in die Erarbeitung einzubeziehen und nicht nur zu informieren. Die Stadt habe eine online-Beteiligung ermöglicht, rund 350 Vorschläge gingen ein. "Sie bezogen sich zumeist auf Fahrbahnsanierungen, geräuschärmere Straßenbeläge und die Reduzierung der Geschwindigkeit", sagt Nozon. Den meisten Straßenlärm gebe es in der Innenstadt und in Gründerzeitvierteln, wenig in Plattenbaugebieten.

Die Stadt setzt nach seinen Worten vor allem auf lärmoptimierten Asphalt, denn Lärmschutzwände oder -wälle kämen in der Innenstadt kaum infrage. Auf der Straße "Am Strande" werde ein solcher Belag auf 600 Metern getestet. "Er bringt bei zehn Prozent Mehrkosten beim Bau eine Lärmminderung von vier Dezibel", berichtet Nozon. Das sei relativ viel: "Eine Halbierung der Fahrzeugzahl von 40 000 auf 20 000 am Tag ergibt nur eine Minderung von drei Dezibel."

Des weiteren haben die Planer zehn Straßen vorgeschlagen, auf denen geprüft werden soll, die Geschwindigkeit von 50 auf 30 Stundenkilometer zu verringern. "Das bringt auf Asphalt 2,1 Dezibel weniger, auf Pflaster fünf bis sechs", erklärt Nozon.

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