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Actiontheater aus Grevesmühlen : Piraten verzichten auf Grüne Woche

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Menschlich enttäuscht verabschiedet sich Intendant Peter Venzmer mit dem Piraten Open Air von der weltweit größten Verbraucherschau.

svz.de von
erstellt am 12.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Seit 1994 war Peter Venzmer mit seinem Team Stammgast bei der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Erstmals seit 23 Jahren ist er zur Neuauflage der weltgrößten Verbraucherschau für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau, die in diesem Jahr vom 20. bis 29. Januar in Berlin stattfindet, nicht dabei. Mit dem Messestand des Piraten Action Open Air Theaters verschwindet gleichzeitig eine der größten Attraktionen aus der Mecklenburg-Vorpommern-Halle. SVZ-Redakteur Holger Glaner sprach mit dem Intendanten des Grevesmühlener Theaters über die Gründe für den Rückzug von der Internationalen Grünen Woche.

Die Mecklenburg-Vorpommern-Halle ohne Piraten ist nur schwer vorstellbar. Dabei gehörte Ihr gesamtes Team doch zu dieser Halle wie die Butter zum Brot, oder?
Peter Venzmer: Das stimmt. Noch als Tradition Veranstaltungs GmbH haben wir in den frühen Jahren die MV-Messehalle auf der Grünen Woche aufgebaut, waren bis zum Jahr 2011 Generalauftragnehmer für das Land bei der Erstellung der Messehalle, haben deren Gesicht entscheidend mitgeprägt.

Das ist nun anders?
Nach einer Neustrukturierung seitens des Landwirtschaftsministeriums waren wir seit 2012 – wie alle anderen Teilnehmer auch – ganz normaler Aussteller auf der Grünen Woche. Allerdings waren wir als Piraten Open Air gleichzeitig auch der größte Einzelaussteller in der MV-Halle.

Doch warum streichen die Piraten in diesem Jahr die Segel?
Das hat einerseits finanzielle Gründe, andererseits einen menschlichen Grund der Enttäuschung.

Immer schön der Reihe nach, bitte.
Die Kosten für so einen Messeauftritt werden von Jahr zu Jahr nicht gerade geringer. Standmiete, Personal, Übernachtung, Parkplätze, Technik zum Aufbau des riesigen Stands. Immerhin waren wir schon allein mit unserem großen Piratenschiff ein echter Blickfang in der Halle. Das alles kostet Geld. Die Messeteilnahme war für uns in den vergangenen Jahren nur durch Sponsoring seitens mehrerer Partner des Piraten Open Air Theaters möglich, u.a. ein Unternehmen aus Warnemünde, das Kosmetikprodukte unter Verwendung von Sanddornöl herstellt. Diese konnten sie auf der Grünen Woche von einem Stand am Heck unseres Piratenschiffs aus anbieten. Doch das geht nun nicht mehr.

Warum nicht?
Das Landwirtschaftsministerium hatte uns nur mitgeteilt, dass das mit diesem Aussteller nicht mehr möglich sei. Auf unsere Frage, ob das Ministerium als Sponsor einspringen könnte, bekamen wir eine negative Antwort. Da mussten wir entscheiden, dass wir zu Hause bleiben müssen.

Aber Sie sprachen noch von einem weiteren Grund für den Abschied von der Grünen Woche.
Als Marten Helmke, ein Referent aus dem Landwirtschaftsministerium, uns dann noch mitteilte, dass sich einige Aussteller gegen unsere Teilnahme ausgesprochen hätten, war die endgültige Entscheidung klar. Dem Landwirtschaftsministerium mache ich da gar keinen Vorwurf. Immerhin haben wir viele Jahre super zusammengearbeitet. Aber es kränkt mich, wenn Aussteller sagen, dass sie uns nicht mehr dabei haben wollen. Ich kann nicht nachvollziehen, warum das so ist. Aber es ist eben so und bestimmt nicht gut fürs Klima.

Eine Rückkehr zur Grünen Woche ist also definitiv ausgeschlossen?
Definitiv, das will ich nicht mehr haben. Ich weiß auch nicht, wo hier der Hase eigentlich wirklich im Pfeffer liegt. Vor fünf Jahren hätte ich vielleicht noch mit offenem Visier gekämpft. Heute frage ich mich, warum ich das tun sollte? Mittlerweile haben wir uns durch Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit genug Anerkennung erarbeitet. Und das in immer stärkerem Maße sogar im Ausland.

Fühlen Sie Ihre Leistungen in der Heimat nicht genügend gewürdigt?
Das kann man so pauschal nicht sagen. Ganz im Gegenteil: Publikumsresonanz sowie die tatkräftige Unterstützung unserer Arbeit durch Behörden, Wirtschaft und Politik sprechen eine eindeutig positive Sprache. Aber wir machen mittlerweile auch viele Geschichten in Übersee, haben mit dafür gesorgt, dass Rostock Port zum geachteten Anlaufpunkt für Kreuzfahrtschiffe wurde und demnächst in eine Beziehung mit dem kleinen, zum Commonwealth of Nations gehörenden Inselstaat Turks and Caicos eintritt. Im vergangenen Jahr besuchte uns deren Tourismusministerin zur Premiere. In diesem Jahr hat sich sogar eine Ministerriege aus Kolumbien angekündigt, weil unsere nächste Episode dort spielt. So etwas auf die Beine zu stellen, ist selbst für Politiker nicht so einfach. Ich habe das Gefühl, dass die Anerkennung manchmal im Ausland größer ist als in heimischen Gefilden. Das ist schon paradox.

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