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Vorsicht vor Doppelgängern : Pilzsaison beginnt nur zaghaft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Parchimer Region bei Sammlern aus nah und fern beliebt. Die Verwechslungsgefahr ist groß, doch Pilzberater sind gut vorbereitet.

svz.de von
erstellt am 30.Jul.2015 | 11:45 Uhr

Bei seinen Waldspaziergängen hat ihn Jürgen Gärtner stets dabei: einen Weidenkorb, in den eine große Portion Wald- und Wiesenpilze passen würde.

Doch im Moment konnte auch der Fachmann nur einzelne Exemplare mit nach Hause bringen. „Es gibt natürlich bereits Pilze wie z.B. die Pfifferlinge und Hexenröhrlinge, aber längst nicht überall“, räumt er ein. „Die vielen Pilzsammler müssen einfach noch etwas Geduld haben. Aber wenn das Wetter mitspielt, Wärme und Feuchtigkeit im richtigen Verhältnis eintreten, steht einem guten Pilzjahr nichts im Wege“, ist sich Jürgen Gärtner, der sich mit dem Thema schon mehr als vier Jahrzehnte intensiv beschäftigt, sicher. Der Experte hatte als junger Mann beim Pilzesammeln das Schlüsselerlebnis. Bei einem Campingurlaub hätte er fast eine Pfanne mit Hexenröhrlingen zubereitet. Zweifel und der Gang zum Experten bewahrten ihn und die Familie vor einem folgenreichen Abendessen. Danach wollte er es genau wissen und wurde Pilzberater.

Das sollte sich für ihn gleich doppelt auszahlen. „Ich habe mich damals für einen Dauercampingplatz am Rätzsee beworben, doch zu DDR-Zeiten war es nicht so einfach, auf den beliebten Plätzen unterzukommen. Da habe ich einen Winter lang Pilze gepaukt und machte schließlich meinen Pilzberater-Schein in Schwerin. Das hob mich von den anderen Bewerbern ab, und so bekam ich meinen Lieblingsplatz“, erzählt Jürgen Gärtner. Diesem Ehrenamt ist er bis heute treu geblieben.

„Leider gibt es viel zu wenige Pilzberater“, beklagt er die Nachwuchssituation. In ganz Mecklenburg-Vorpommern gibt es etwa 45 Frauen und Männer, die für die örtlichen Gesundheits- bzw. Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter tätig sind. Zwischen Wismar und Parchim sind gerade einmal fünf Experten Ansprechpartner für ratsuchende Pilzsammler. Dass ihr Einsatz Leben retten kann, beweist die Jahresstatistik. In MV wurden im Vorjahr 4600 Beratungen durchgeführt. Dabei kamen 318 stark giftige Pilze, darunter 27 Grüne Knollenblätterpilze, drei Kegelhütige Knollenblätterpilze, 112 Pantherpilze, drei Ziegelrote Knollenblätterpilze, drei Frühjahrslorcheln und etwa 170 Gifthäublinge auf die Tische der Berater. Aussortiert haben sie auch hunderte Grünblättrige Schwefelköpfe und Kahle Kremplinge.

Auch der Karboelegerling, der 2014 besonders häufig auftrat, wurde kiloweise aussortiert. Neun Personen mussten aufgrund einer Pilzvergiftung ärztlich behandelt werden. Immer öfter melden sich Kindereinrichtungen bei Pilzberatern, weil auf Rasenflächen vorkommende Pilze von den Kindern in den Mund genommen wurden. Vor wenigen Tagen hatte sich ein ähnlicher Vorfall in Keez ereignet. Eine Mutter konnte rechtzeitig eingreifen. Jürgen Gärtner weiß sehr genau, dass von ähnlichen Pilzen die größte Gefahr ausgeht. Es sei zwar hilfreich, dass inzwischen mit einer Handy-App Pilze bestimmt werden können, aber die genaue Bewertung kann oft nur der Experte zweifelsfrei vornehmen. Jürgen Gärtner beobachtet seit längerem, dass immer mehr giftige und ungenießbare Pilze wachsen. Problematisch ist auch, dass oft zu große Mengen, die mitunter ungenügend erhitzt bzw. zu alt oder roh verzehrt wurden, zu Erkrankungen führen.

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