Festspiele MV : Pianist Kit Armstrong beendet Festspiele-Residence an der Orgel

Preisträger in Residence  Kit Armstrong (links) und Festspiel-Intendant Dr. Markus Fein
1 von 2
Preisträger in Residence Kit Armstrong (links) und Festspiel-Intendant Dr. Markus Fein

Kit Armstrong musiziert, komponiert, spricht mehrere Sprachen, begeistert sich für Naturwissenschaften und ist fingerfertig nicht nur an den Tasten. Bei den Festspielen MV offenbarte er auch seine Lust am Kochen.

svz.de von
11. September 2018, 20:45 Uhr

Musizieren, Kochen, Dirigieren. Vielfältig wie kaum einer seiner Vorgänger hat der amerikanische Pianist Kit Armstrong als Künstler in Residence den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern seinen Stempel aufgedrückt. 24 Mal stand der 26-Jährige in der dreimonatigen Festspielsaison auf der Bühne und bestritt damit ein Sechstel aller 150 Konzerte und Veranstaltungen.

Das Publikum erlebte ihn dabei vor allem als Solisten am Klavier, aber auch als Dirigenten, Komponisten und Freund exklusiver Kochkunst.

Armstrong sorgt für Beifallströme

„Bei einer Residence muss man einiges tun, um sich selbst zu präsentieren. Sie sollte klar die Handschrift des Künstlers tragen“, macht Armstrong den eigenen Anspruch deutlich. Und die Worte scheinen im Widerspruch zu stehen zu der zurückgezogenen und bescheidenen Art, mit der er auf die Bühne tritt. Doch mit seinem virtuosen Spiel sorgt er regelmäßig für Beifallsstürme, zuletzt bei den Gastspielen in Redefin (Kreis Ludwigslust-Prachim) und Neubrandenburg.

Schon mehrfach agierte Armstrong nach eigenen Angaben als Künstler in Residence, so etwa bei Musikfesten in Kiel, Würzburg und Ludwigshafen. In Kürze beginne eine einjährige Zusammenarbeit mit dem Palais des Beaux-Arts, BOZAR, in Brüssel. „Die Residence bei den Festspielen in Mecklenburg-Vorpommern ist aber ziemlich einmalig gewesen und so etwas wird so schnell nicht wieder passieren“, resümiert der Künstler zum Ende der Saison.

Pianist Kit Armstrong studierte auch Mathematik, Chemie, Biologie und Physik.
Foto: jason alden
Pianist Kit Armstrong studierte auch Mathematik, Chemie, Biologie und Physik.
 

Im Jahr 2014 hatte er bei den Festspielen den Nachwuchswettbewerb „Junge Elite“ gewonnen und war nun als ehemaliger Preisträger vom Veranstalter mit der prestigeträchtigen Residence betraut worden. „Er hat sich in die Herzen des Publikums gespielt“, konstatiert Intendant Markus Fein. Dass Kit Armstrong ein Weltklassemusiker ist, habe das Publikum schon vorher gewusst.

Die Residence aber habe neue Facetten zu Tage gefördert: „Im Kosmos “Armstrong„ trifft Musik auf Wissenschaft, Kochkunst, Origami-Faltkunst“, sagt Fein. Der Solist habe sich auch als großer musikalischer Teamplayer, als beeindruckender Dirigent und und als Kommunikator präsentiert.

"Es ist beglückend"

Für Armstrong selbst spielte die Aufführung von Händels Oratorium Theodora in der frühgotischen Stadtkirche in Sternberg eine besondere Rolle. Anfang Juli stand er dabei auf eigenen Wunsch als Dirigent am Pult. „Für mich ist das eines der erstaunlichsten Werke dieses Komponisten. Und ich bin der Meinung, dass es wieder den Weg in den Musikbetrieb von heute finden sollte“, begründet Armstrong die Auswahl.

Mit weiteren Preisträgern des Festspiele-Nachwuchswettbewerbs gestaltete Armstrong Ende Juli ein mehrtägiges Projekt. An seiner Seite standen Solisten und Ensemble-Mitglieder, die heute international gefragte Stars sind, wie der Cellist Daniel Müller-Schott oder das Armida-Quartett. „Wir hatten für das Programm Stücke herausgesucht, die gewissermaßen Wegbegleiter auf unseren künstlerischen Wegen waren, und haben diese in kleinen Besetzungen gespielt“, berichtet Armstrong. Proben und Konzerte seien ein gegenseitiges Geben und Nehmen gewesen: „Es ist beglückend, wenn man Ideen gemeinsam verwirklichen kann.“

Duett mit Sternekoch Schmidthaler

Das tat Armstrong Anfang September auch mit einem eher ungewöhnlichen Duett-Partner, dem Sternekoch Daniel Schmidthaler. Beide luden ihr Publikum zu einer musikalisch-kulinarische Weltreise nach Fürstenhagen in der Seenplatte, wo der gebürtige Österreicher ein Restaurant betreibt und vorwiegend aus regionalen Produkten besondere Speisen kreiert. „In der Musik wie in der Küche begeistere ich mich für das Authentische“, sagt Armstrong, der nach eigenen Angaben selbst sehr gern am Herd steht.

Am Mittwoch, wenige Tage vor dem Saisonfinale, schließt sich für Armstrong der Kreis seiner Residence auf besondere Weise. Erstmals wird er bei den Festspielen selbst an der Orgel zu erleben sein. Mit der Geigerin Veronika Eberle spielt er in der Kirche von Zarrentin (Landkreis Ludwigslust-Parchim) Werke von Bach, Biber und Liszt. Für die Spielzeit-Eröffnung im Juni hatte er ein Werk für die neue Orgel in der Neubrandenburger Konzertkirche verfasst, die Uraufführung aber wegen anderer Verpflichtungen verpasst.

Zwar spiele er sehr gern auf gut erhaltenen historischen Instrumenten wie in Zarrentin. Doch übe die Orgel in der für ihre Akustik von Musikern und Zuhörern gleichermaßen geschätzten Konzertkirche schon eine besondere Anziehungskraft auf ihn aus. Er habe sie sich nur kurz angeschaut, ehe er mit dem Auftragswerk begann. „Da ist ein wunderbares Instrument entstanden, auf dem ich sehr gern spielen würde. Sobald ich eingeladen werde, komme ich“, sagt Armstrong und macht damit deutlich, dass er - wie viele andere Musiker - den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern treu bleiben will.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen