Meinung : Philipp Amthor (CDU) - den kann man sich nicht ausdenken

Philipp Amthor, wie er sich auf Facebook präsentiert
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Philipp Amthor, wie er sich auf Facebook präsentiert

CDU-Politiker Philipp Amthor fällt auf und das nicht nur wegen seiner Brille und seines Alters – von ihm werden wir noch viel hören

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07. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Wenn man es so sieht, hat es Philipp Amthor bereits geschafft: Der 25-jährige Politiker aus Vorpommern – ja, er ist der jüngste Abgeordnete der CDU und der zweitjüngste im Bundestag überhaupt, aber konzentrieren wir uns auf das Wesentliche – bekam im Neo Magazin Royal, der satirischen Spielwiese des Ironikers Jan Böhmermann die volle Breitseite. Gleich in zwei Folgen widmete sich der Moderator dem „Merkel-Killer von Ueckermünde“. Irgendwie bemerkenswert, bedenkt man, dass ansonsten vor allem politische Größen wie Erdogan, Trump und Co. in das Schussfeld des Satirikers geraten.

„Wie hat er dieses Gesicht bloß über die Schulzeit gerettet“, mobbte Böhmermann den neuen Bundestagsabgeordneten in Stefan-Raab-Manier. Oder: „Der ist nicht größer als eine A4-Seite. Wie aus sieht er denn?“ Und Amthor? Der nimmt es gelassen: „Ich bin ja nicht angetreten, um den glattgezogenen Berliner Hipstern zu gefallen“, kontert er. Da habe der Böhmermann was falsch verstanden. „Böhmermann hat uns Mecklenburger und Vorpommer nicht verstanden.“

„Wie aus sieht der denn?“, Jan Böhmermann in seiner Sendung „Neo Magazin Royal“
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„Wie aus sieht der denn?“, Jan Böhmermann in seiner Sendung „Neo Magazin Royal“
 

Amthor fällt auf. Nicht nur wegen seiner Hornbrille oder seines jungen Alters. Er provoziert gerne: Wäre er gezwungen, sich für ein Jahr bei einer anderen Partei als der CDU zu engagieren, sei die AfD „sicherlich interessant“, zumindest von den Themen, die sie auf das Papier bringen, sagte er kürzlich bei einem Interview mit dem Politikformat Informr bei funk, dem jungen Angebot von ARD und ZDF. Die Lebensrealität im ländlichen Raum sei „eine andere als im veganen Berlin“. Gendergerechte Toiletten oder der Schutz des Laubfroschs schön und gut, ihm gehe es jedoch um „wesentlichere Themen“, wie er sagt. Um soziale Sicherungssysteme, die Behebung von Vollzugsdefiziten oder die Begrenzung der Zuwanderung zum Beispiel. Genau diese Punkte seien ihm auch bei den Koalitionsverhandlungen wichtig.

Auf Facebook hat der Hardliner mit seiner klaren Linie bereits knapp 2500 Fans hinter sich gebracht. Und das trotz oder vielleicht gerade wegen seiner etwas zu steif wirkenden Politik-Videoclips aus seinem Berliner Büro à la „Neuwahlen, was sagt uns eigentlich das Grundgesetz?“, die er regelmäßig veröffentlicht. Zum Vergleich: Der Schweriner Dietrich Monstadt (CDU) – seit 2009 im Bundestag – hat nur 450 Facebook-Follower mehr.

Seit seinem Wahlerfolg im September stürzt sich die Presse auf „Muttis Liebling“. „CDU-Jungspund entriss AfD eine Hochburg“, adelte ihn der Fokus. „Wie ein 24-jähriger CDU-Politiker in Meck-Pomm die AfD besiegte“, schrieb die Huffington Post. Da hatte er sein Berliner Büro noch nicht einmal bezogen. Inzwischen hat Amthor seine Kisten ausgepackt und einen Büroleiter, eine wissenschaftliche Assistentin und eine Werkstundentin eingestellt – sie, kaum jünger als er selbst. „Es haben sich 200 Menschen beworben, dabei habe ich gar keine Stelle ausgeschrieben“, erzählt Amthor noch immer erstaunt.

Jeden Morgen schreitet er nun durch das Brandenburger Tor, an der deutschen Flagge vorbei zum Bundestag, erzählt er. Spätestens um 8 Uhr beginnt sein Tag und endet erst spät in der Nacht. Seinen Wahlkreis habe er bei der Großstadt-Luft nicht vergessen. „Vorpommern bleibt mein Lebensmittelpunkt“, sagt er.

Da ist er nun, der 25-Jährige mit der Hornbrille aus dem Landkreis Uecker-Randow. Der immer ein bisschen zu altklug daherredet. Der Youngster, der Konservative, „Muttis Liebling“ mit der Föhnfrisur. Fast hat man den Eindruck, dass auch er nur ausgedacht ist. Man wartet schon auf den Moment, in dem der Vorhang und die Brille fällt und Jan Böhmermann verkündet: „Philipp Amthor, den haben wir uns nur ausgedacht und gecastet. Den gibt es gar nicht und ihr seid alle darauf reingefallen.“ So ähnlich, wie er es bei der RTL-Dokusoap „Schwiegermutter gesucht“, mit einem eingeschleusten Teilnehmer getan hatte.

Doch Philipp Amthor ist echt. Man mag von seinen politischen Einstellungen halten, was man will. Doch schon jetzt ist klar, dass Böhmermann auch die nächsten Jahre viel Stoff für seine Sendung haben wird. Denn mit einem Satz hatte der Satiriker sicher recht: „Philipp Amthor ist gekommen, um zu bleiben.“

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