zur Navigation springen

Ein Song braucht nicht viel : Phänomen Sommerhit

vom

Zur Weihnachtszeit gibt’s "Last Christmas", zur Sommerzeit "Macarena" - jedes Jahr dasselbe Spiel. Im Laufe jeden Sommers findet sich irgendwann DER eine Hit. Welcher wird es wohl dieses Jahr werden?

svz.de von
erstellt am 16.Jul.2013 | 07:56 Uhr

Berlin | Zur Weihnachtszeit gibt’s "Last Christmas", zur Sommerzeit "Macarena" - jedes Jahr dasselbe Spiel. Doch während die Weihnachtshits Jahr für Jahr größtenteils dieselben bleiben, findet sich im Laufe jeden Sommers irgendwann DER eine Hit. Was aber nicht heißt, dass man die beliebtesten Titel vergangener Sommer nicht jedes Jahr wieder hören würde. Eine Übersicht zum Phänomen Sommerhit:

DIE LIEDER...

...haben Titel wie "Ab in den Süden", "Macarena" oder "Samba de Janeiro". Ein besonders erfolgreicher Sommerhit war der "Ketchup Song" von Las Ketchup (2002) - er hielt sich laut Media Control sieben Wochen auf Platz 1 der Charts. Auch dieses Jahr gibt es mehrere Anwärter auf den Sommerhit, etwa "Get Lucky" von Daft Punk, Robin Thicke mit "Blurred Lines" oder "Strand" von Yasha werden immer wieder genannt. Komiker Helge Schneider dagegen versucht es mit "Sommer, Sonne, Kaktus".

DER TEXT...

...sollte nicht zu anspruchsvoll sein. "Beim Hören des Songs wollen wir uns leicht fühlen, wie wir uns das vielleicht bei einem Sommertag am Strand vorstellen", erklärt Musikexperte Prof. Udo Dahmen, einer der beiden Geschäftsführer der Popakademie Mannheim. Tatsächlich zählte Ricky Martin in seinem Megasommerhit "Maria" (1995) nur bis drei - auf spanisch.

Rumänisch funktioniert auch: Mit "Dragostea din tei" (deutsch: "Liebe auf dem Lindenbaum") landeten die drei Jungs von O-Zone 2004 einen Riesenhit. Unabhängig von der Sprache sollte es um Sonne und Strand gehen: "Vamos a la playa" (spanisch für "Lass uns zum Strand gehen") singen oder ständig das Wort "summer" einstreuen, ist immer gut. "Alle können nach kurzer Zeit mitsingen - ob betrunken oder nicht", fasst Musikpsychologe Prof. Andreas Lehmann zusammen.

DIE MELODIE...

...muss direkt ins Ohr gehen. "Es zählt eine eingängige Melodie gepaart mit nicht zu langsamem Rhythmus und einem Groove, der vielleicht an Sommerwind und sanftes Fächeln erinnert", beschreibt es Prof. Dahmen. Viele Songs lebten von Einflüssen jamaikanischer Musik wie Reggae. Auch Samba-Rhythmen seien öfter zu hören, so der Wissenschaftler. Ganz wichtig: Man muss zu den Liedern tanzen können.

DIE ZIELGRUPPE...

...sind wir alle! "Sommerhits sind das Vehikel, das die Leute zusammenbringt", sagt Prof. Lehmann. Draußen sein, warme Temperaturen, zusammen trinken und tanzen - zum besonderen Lebensgefühl im Sommer gehörten bestimmte Lieder, so der Psychologe. "Der Sommerhit ist der Kulminationspunkt all dieser Sehnsüchte", sagt auch Experte Dahmen.

DIE PLATTENINDUSTRIE...

...ist nicht wirklich schuld. "Die meisten Sommerhits ergeben sich eher", sagt der Business Direktor und ebenfalls Geschäftsführer der Popakademie Mannheim, Prof. Hubert Wandjo. Es gebe zwar immer wieder Produzenten, die bewusst versuchten, solche Hits zu produzieren.

Entscheider sei aber das Publikum. Große Neuveröffentlichungen gibt es laut Wandjo im Sommer jedenfalls nicht - Hauptzeit für neue Alben sind das Frühjahr und der Herbst.

DIE KÜNSTLER...

...sind meist Eintagsfliegen, die mit ihrem Sommerhit über Nacht berühmt werden. Oder wüsste irgendwer, was Las Ketchup ("The Ketchup Song"), Los del Rio ("Macarena") oder Bellini ("Samba de Janeiro") heute machen, geschweige denn, wer oder was sich hinter diesen Gruppen verbirgt? Ausnahmen gibt es aber immer wieder: Kid Rock etwa war längst berühmt, als er mit "All Summer Long" den Sommerhit des Jahres 2008 landete....

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen