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Behandlungsfehler : Pfuschen Mediziner heute mehr?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

2013 ging Medizinischer Dienst der Krankenkassen 17 Prozent mehr Verdachtsfällen auf Behandlungsfehler nach als im Jahr zuvor

svz.de von
erstellt am 06.Mai.2014 | 21:07 Uhr

Mehr Behandlungsfehler, mehr Pfusch in Kliniken und Praxen? Der Medizinische Dienst der Krankenkassen verzeichnete 2013 insgesamt 17 Prozent mehr Verdachtsfälle als im Jahr zuvor. Hintergründe zur Debatte über echte und vermeintliche Ärztefehler von Rasmus Buchsteiner.

Was gilt eigentlich als

Behandlungsfehler?
Wird eine Behandlung nicht angemessen, sorgfältig, richtig oder rechtzeitig durchgeführt, verstößt ein Mediziner gegen seine Pflicht. Als Fehler gilt, wenn eine Behandlung nicht den medizinischen Standards entspricht, eine gebotene Behandlung unterlassen oder eine Diagnose trotz eindeutiger Hinweise nicht gestellt wird.

Gibt es viele Verfahren

wegen Ärztefehlern?
In 14 600 Fällen von vermuteten Behandlungsfehlern veranlasste der Medizinische Dienst der Krankenkassen im Vorjahr eine Überprüfung. Das waren 2000 mehr als 2012. Rund 70 Prozent der Vorwürfe bezog sich auf Behandlungen und OP in Kliniken, der Rest auf niedergelassene Ärzte.

Wie oft bestätigt sich

der Fehler-Verdacht?
Längst nicht jede Begutachtung durch den Medizinischen Dienst führt zu einer Anerkennung. 2013 wurden 3687 Behandlungsfehler offiziell bestätigt _ 25 Prozent der Verdachtsfälle. Damit sank die Zahl der anerkannten Behandlungsfehler um 200. Rund 70 Prozent der Vorwürfe beziehen sich auf Krankenhäuser.

Welche Fehler sind

die häufigsten?
Die meisten Vorwürfe (4231) bezogen sich 2013 auf Unfallchirurgie und Orthopädie. Es folgen Verdachtsfälle in der Chirurgie, der Zahn- und Inneren Medizin sowie Gynäkologie/Geburtshilfe. Die Bundesärztekammer warnt jedoch vor einer Überinterpretation. „Angesichts von fast 700 Millionen Behandlungen im ambulanten Bereich und mehr als 18 Millionen in den Kliniken jährlich bewegt sich die Zahl der festgestellten ärztlichen Behandlungsfehler im Promillebereich“, so Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery.

Inwieweit sind fehler

der ärzte vermeidbar?
„Viele Behandlungsfehler wären vermeidbar“, so Stefan Gronemeyer, leitender Arzt des Medizinischen Dienstes des Kassen-Spitzenverbandes.
Experten empfehlen zum Beispiel Checklisten für die OP-Vorbereitung, regelmäßige Notfall- und Teamtrainings sowie kritisches Hinterfragen verabreichter Medikamente, hinsichtlich Nebenwirkungen. Doch diese Vorschläge würden „noch zu wenig umgesetzt“, so Experte Gronemeyer.

Welche Rechte haben

Patienten bei Verdacht? Laut Patientenrechtegesetz hat jeder Versicherte Anspruch auf ein kostenloses Gutachten. Die Beweislast liegt grundsätzlich beim Patienten: Er muss dem Mediziner Fehlverhalten nachweisen. Nur bei groben Behandlungsfehlern ist der Arzt in der Pflicht nachzuweisen, dass der Fehler nicht Ursache des entstandenen Schadens war. Als „grob“ sind Fehler eingestuft, „die aus objektiver medizinischer Sicht schlechterdings nicht mehr verständlich sind“. Paradebeispiel: die Entnahme eines gesunden Organs.

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