Fragen und Antworten zur Pflegereform : Pflegestufen werden Pflegegrade

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Was müssen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen jetzt wissen? Hintergründe zum Start der Reform

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16. Dezember 2016, 05:00 Uhr

Am 1. Januar ist es so weit: Die Pflegereform tritt in Kraft. Für Millionen Betroffene in Deutschland bringt sie einen grundlegenden Systemwechsel. Die Einstufungen erfolgen nach neuen Kriterien. „Ein sehr großer und sehr wichtiger Schritt hin zu einer besseren Versorgung wird damit umgesetzt“, erklärte Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK), gestern in Berlin. Was müssen Pflegebedürftige jetzt wissen? Hintergründe von Rasmus Buchsteiner.

Was ist die wichtigste Änderung?

Zentral bei dieser Reform ist die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs. Damit ist ein neues Begutachtungsverfahren verbunden. Die Feststellung der Pflegebedürftigkeit richtet sich nach dem Grad der Selbstständigkeit in elementaren Lebensbereichen wie Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten und Verhaltensweisen. Erstmals werden damit auch Demenzkranke voll in die Pflegeversicherung einbezogen.

„Bei der Begutachtung sehen wir uns künftig die Pflegebedürftigkeit in allen Dimensionen an. Wir fragen: Was kann der Mensch noch alleine und was kann er nicht mehr alleine? Und was können wir tun, um seine Selbstständigkeit zu bewahren und zu unterstützen?“, so Bettina Jonas vom MDK Berlin-Brandenburg.

Welche Kriterien geben künftig den Ausschlag für die Einstufung?

Zu zehn Prozent geht die noch vorhandene Mobilität des Pflegebedürftigen in die Bewertung ein, zu 40 Prozent der Grad der Selbstversorgung, zu 15 Prozent kognitive Fähigkeiten, zu 15 Prozent bestehende soziale Kontakte und zu 20 Prozent der Umgang mit besonderen Anforderungen von Krankheit und Therapie. Bei der Feststellung des Pflege-grades geben die Gutachter auch Empfehlungen zu geeigneten Maßnahmen der Prävention, Rehabilitation und für Heil- und Hilfsmittel ab. „Denn die Pflegebedürftigkeit eines Menschen kann durch solche Maßnahmen positiv beeinflusst werden“, so Jonas.

Was wird aus den bisherigen Pflegestufen?

Statt drei Pflegestufen gibt es künftig fünf Pflegegrade. Pflegebedürftige mit allein körperlichen Beeinträchtigungen werden dann eine Stufe höher eingruppiert: Waren sie bisher in Pflegestufe 2, erhalten sie künftig Leistungen nach Pflegegrad 3. Bei eingeschränkter Alltagskompetenz, etwa aufgrund einer Demenzerkrankung, geht es zwei Schritte hinauf: Aus Pflegestufe 2 wird 4.

Wer sollte unbedingt noch vor dem Reformstart einen Antrag stellen?

Wer körperlich beeinträchtigt ist und noch kein Geld aus der Pflegekasse erhält, sollte aktiv werden. Wer für dieses Jahr Pflegestufe 1 mit einer Leistung von 244 Euro monatlich anerkannt bekommt, rutscht 2017 automatisch in Pflegegrad 2 und erhält dann 316 Euro monatlich. Wird der Antrag erst nach dem Jahreswechsel gestellt, würde es in den meisten Fällen wohl nur eine Einstufung in Pflegegrad 1 geben, was 125 Euro monatlich entspricht. Laut der Deutschen Stiftung Patientenschutz geht es um circa 125 000 Betroffene.

Ähnliches gilt für Versicherte, die bisher noch kein Geld aus der Pflegekasse erhalten haben, aber künftig einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen könnten. Bisher gibt es dafür in der Pflegestufe 1 monatlich 468 Euro. Wird der Antrag erst im kommenden Jahr gestellt, wären es nur noch 125 Euro.

Wie funktioniert das Verfahren genau?

Hat ein Versicherter den Antrag bei seiner Pflegekasse gestellt, beauftragt diese dann den MDK mit der Begutachtung des Versicherten in seinem häuslichen Umfeld oder im Pflegeheim. Das Pflegegutachten – unter anderem mit Empfehlungen für Heilmittel - geht vom MDK an die Pflegekasse. Es wird davon ausgegangen, dass ab dem kommenden Jahr aufgrund der neuen Be-gutachtungskriterien rund
200 000 Menschen erstmals Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten werden. Mittelfristig werden es 500 000 Neu-Fälle sein.

Was müssen Versicherte beachten, die schon jetzt Geld erhalten?

Für sie erfolgt die Umstellung auf die neuen Pflegegrade automatisch und es gilt Bestandsschutz. Das heißt: Sie werden nach der Reform auf keinen Fall weniger Leistungen erhalten als vorher. Eine erneute Begutachtung ist nicht erforderlich.

Werden die Zahlbeträge erhöht?

Ja. Bei den Geldleistungen für die ambulante Pflege sind 125 Euro monatlich bei Pflegegrad 1 vorgesehen. Den Höchstsatz von 901 Euro gibt es für Pflegegrad 5. Bei den (ambulanten) Sachleistungen sind es 689 Euro in Pflegegrad 2, ansteigend bis 1995 Euro in Pflegegrad 5. In der stationären Pflege sind 125 Euro bei Pflegegrad 1 und 2005 Euro bei Pflegegrad 5 geplant.

Wie hoch sind die Kosten der Reform?

Gut sechs Milliarden Euro fließen zusätzlich ins System. Dafür wird der Beitragssatz ab Januar um weitere 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 Prozent sowie auf 2,8 Prozent für Kinderlose steigen. Das bringt Zusatzeinnahmen von rund 2,4 Milliarden Euro. Um den Bestandsschutz für Pflegebedürftige zu finanzieren, werden vier Milliarden Euro aus der Reserve der Pflegekasse benötigt.

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