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Sozialbericht MV : Pfleger kämpfen um besseres Image

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Birgit Hesse stellt Sozialbericht des Landes vor. Pflegeberufe müssen gestärkt werden.

svz.de von
erstellt am 03.Dez.2015 | 08:00 Uhr

Fünf Prozent der Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern sind pflegebedürftig. So viele, wie in keinem anderen Bundesland. Bis 2030 soll sich die Zahl sogar noch um 24 Prozent erhöhen. Gleichzeitig stehen dem immer weniger potenzielle Pfleger gegenüber. Das geht aus dem Sozialbericht des Landes hervor, den Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) gestern vorgestellt hat.

„Da rasen zwei Züge aufeinander zu“, meint Wolfhard Kohte. Er war an der Studie maßgeblich beteiligt. Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel stellten die Branche vor besondere Herausforderungen. Die Lage in den Pflegeberufen werde sich verschlechtern, wenn unter anderem dem negativen Image der Branche nicht begegnet werde.

„Die Ergebnisse des Berichtes sind eindeutig“, sagte Ministerin Hesse. „Wenn wir in den kommenden Jahren den wachsenden Bedarf an Pflegekräften befriedigen wollen, muss das Berufsbild deutlich aufgewertet werden. Der Pflegeberuf sei sowohl körperlich, als auch psychisch stark belastend. Außerdem hätte die fehlende gesellschaftliche Wertschätzung des Altern einen negativen Einfluss auf den Beruf.

Der Pflegebereich gehört zu den personalintensivsten und krisensichersten Berufen, betont Kohte. Die Studie hätte gezeigt, dass die Pflegekräfte von ihren Patienten durchaus Anerkennung erhielten, was die Zufriedenheit steigere. Diese positiven Effekte sollen nun verstärkt nach außen getragen und so das Image des Pflegeberufs aufgewertet werden.

„Hier sind die Arbeitgeber gefragt. Fachkräfte sind nur für ein gutes Gehalt zu bekommen. Wer motiviertes und qualifiziertes Personal will, muss gute Arbeitsbedingungen schaffen“, meint Hesse. Arbeitszeiten, auch für Teilzeitbeschäftigte, müssten ausgeweitet und familienfreundliches Arbeiten gewährleistet werden. Um Beschäftigte möglichst lange und vor allem gesund im Beruf zu halten, sollten frühzeitig präventive Gesundheitsmaßnahmen umgesetzt werden.

Um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken müsste über die Ausweitung der Umschulungsmöglichkeiten diskutiert werden, geht weiter aus der Studie hervor. So könnten auch Quereinsteiger motiviert werden. Außerdem gebe es Reserven bei den Männern, so Hesse: „Der Anteil der Männer in der Altenpflege ist immer noch äußerst gering. Im stationären Bereich liegt er bei 14 Prozent, im ambulanten bei lediglich neun Prozent. Ebenso gibt es viele Fachkräfte, die den Beruf des Altenpflegers vor Jahren erlernt haben, inzwischen aber aus den unterschiedlichsten Gründen den Beruf gewechselt haben.“ Auch hier sehe die Ministerin großes Potenzial.

Ein weiteres Thema der Studie ist die Errichtung von Pflegekammern. 73 Prozent der Beschäftigten sprachen sich in der Umfrage dafür aus. Davon wären 61 Prozent bereit, einen Kammerbeitrag zu entrichten. Die Ergebnisse der Befragung werden in den Meinungsprozess der Landesregierung, ob sie eine Gesetzesinitiative in der nächsten Legislaturperiode zur Errichtung einer Pflegekammer ergreifen wird, einfließen.

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