zur Navigation springen

Zu unattraktiv? : Pflegende nehmen Hilfen nicht an

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In MV kaum Anträge auf Pflegeunterstützungsgeld und Familienpflegezeit

svz.de von
erstellt am 12.Feb.2016 | 20:55 Uhr

Zu wenig bekannt oder zu unattraktiv? Leistungen, die die Bundesregierung vor einem Jahr eingeführt hat, um Pflege, Familie und Beruf besser miteinander vereinbar zu machen, werden kaum genutzt. So haben bei der Barmer GEK in Mecklenburg-Vorpommern im ganzen letzten Jahr gerade einmal 17 Personen den Anspruch auf eine zehntägige Freistellung von der Arbeit geltend gemacht, um kurzfristig die Pflege eines nahen Angehörigen organisieren zu können. Dabei wird seit 2015 während der Freistellung auch ein Pflegeunterstützungsgeld in Höhe von 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts gezahlt. „Vor dem Hintergrund der 72 445 Pflegebedürftigen, die laut Statistik 2013 in Mecklenburg-Vorpommern erfasst wurden, ist dies eine verschwindend geringe Anzahl“ , bedauert Barmer-GEK-Sprecher Bernd Schulte.

Auch bei der AOK Nordost, die das Gros der Pflegebedürftigen in MV versichert, ist das Interesse an den neuen Leistungen sehr verhalten: „Auf das Pflegeunterstützungsgeld und damit die Freistellung im Akutfall gab es in Mecklenburg-Vorpommern 2015 lediglich 193 Anträge, im gesamten AOK-Nordost-Bereich waren es 563“, so AOK-Nordost-Sprecher Markus Juhls. Möglicherweise rühre das daher, dass die meisten erst im Rentenalter pflegebedürftig würden und ihre Partner, die sie dann betreuten, ebenfalls schon Renter seien. Vielleicht sei auch eine Hürde, dass die Leistung nicht bei der eigenen Kasse, sondern bei der des Pflegebedürftigen beantragt werden müsse. Offenkundig müsse aber auch noch mehr über diese Möglichkeit der Entlastung informiert werden, sind sich beide Sprecher einig.

Noch extremer sieht es bei der Inanspruchnahme der neuen Familienpflegezeit aus. AOK-Nordost-weit sind die völlige Freistellung für sechs bzw. die Reduzierung der Arbeitszeit für maximal 24 Monate gerade einmal 26 Mal beantragt worden. Bei der Barmer bewegten sich die Nachfragen im einstelligen Bereich. „Das hat sicher damit zu tun, dass hier sehr viele Betriebe gar nicht die für den Anspruch erforderliche Mindestbeschäftigtenzahl von 15 bzw. 25 erreichen“, so AOK-Sprecher Juhls. Dazu kommt, dass zwar ein zinsloses Darlehen beantragt werden kann – aber auch das muss zurückgezahlt werden.

Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums ist das Darlehen 2015 bundesweit nur 313 Mal beantragt worden. Auf das Pflegeunterstützungsgeld gab es rund 6000 Anträge.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen