Pflege-Bahr lohnt sich nicht für jeden

Pflege kostet Geld. Weil die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht reichen, denken viele an private Vorsorge. Foto: dpa
Pflege kostet Geld. Weil die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht reichen, denken viele an private Vorsorge. Foto: dpa

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07. März 2013, 10:46 Uhr

Knapp 68 000 Mecklenburger und Vorpommern waren im Dezember 2011 pflegebedürftig. Rund zehn Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Tendenz steigend. Das Risiko, ein Pflegefall zu werden, scheint angesichts solcher Zahlen hoch. Doch die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der Kosten - in Stufe III häufig nicht einmal die Hälfte. Der Bundesgesundheitsminister rät zur privaten Vorsorge und gibt - neben seinem Namen - auch Geld dafür. Wer pro Monat selbst mindestens 10 Euro in eine geförderte private Zusatzversicherung für den Pflegefall - auch Pflege-Bahr genannt - einzahlt, erhält vom Staat eine Zulage von 5 Euro pro Monat. Das klingt nicht schlecht. Trotzdem ist das Angebot nach Meinung von Verbraucherschützern nicht für jeden sinnvoll.

"Der Pflege-Bahr ist gut, wenn ich jung bin, Vorerkrankungen oder eine Behinderung habe und insofern weiß, dass ich auf Hilfe angewiesen sein werde", sagt Wiebke Cornelius von der Rostocker Beratungsstelle der Unabhängigen Patientenberatung (UPD). "Denn im Gegensatz zu anderen privaten Pflegeversicherungen gibt es weder Gesundheitsprüfung noch Risikozuschläge." Für ältere Menschen lohne es nicht, weil die Beiträge mit dem Alter steigen. Während ein 20-Jähriger für 10 Euro Eigenbeitrag im Pflegefall bis zu 1304 Euro pro Monat ausgezahlt bekommen kann, muss ein 60-Jähriger 32 Euro zahlen, um den Mindestbetrag von 600 Euro in Pflegestufe III zu erhalten. Hinzu kommt, dass die Versicherung erst nach einer Wartezeit von fünf Jahren zahlen muss.

Wer jünger ist, wisse in der Regel gar nicht, ob er jemals zum Pflegefall wird, gibt Wiebke Cornelius zu bedenken. Da sei es sinnvoller, das Geld anderweitig anzusparen, um es bei Bedarf für die eigene Gesundheit und Pflege auszugeben. "Dann kann ich davon auch eine Haushaltshilfe oder andere Leistungen Dritter bezahlen, wenn ich noch gar keine Pflegestufe habe, aber Unterstützung benötige", so die Patientenberaterin. "Damit bin ich doch viel flexibler."

Angst, als Pflegebedürftiger nicht ausreichend versorgt zu sein, müsse keiner haben. Reicht das eigene Einkommen nicht aus, sind die Kinder in der Pflicht, aber auch nur, wenn ihr Einkommen über bestimmten (relativen hohen) Grenzen liegt. Ansonsten springt das Sozialamt mit der "Hilfe zur Pflege" ein. Wiebke Cornelius’ Fazit: Diese Versicherung muss man sich leisten wollen und man muss das Geld übrig haben. Zudem sollte man sicher sein, dass man die Beiträge dauerhaft zahlen kann. Steigt man zwischendurch aus, ist das bis dahin gezahlte Geld futsch.

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