Mecklenburg-Vorpommern : Pflege: Ambulant vor stationär

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MV steuert bei der Pflege um, will Zuschüsse an Pflegeheimbewohner streichen. Das eingesparte Geld soll in die ambulante Pflege fließen, denn die meisten alten Menschen würden gerne so lange wie möglich zu Hause leben.

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12. September 2012, 10:17 Uhr

Schwerin | Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) will Zuschüsse des Landes an Pflegeheimbewohner streichen. Das eingesparte Geld will sie ambulanten Pflegediensten und Tagespflegestätten zukommen lassen. Derzeit zahlt das Land rund 7,2 Millionen Euro Pflegewohngeld an etwa 5600 Heimbewohner. An diesen Zahlungen wird sich nichts ändern, versicherte das Ministerium. Neue Anträge jedoch würden ab 2013 nicht mehr angenommen.

Mit dem Pflegewohngeld sollten seit 2004 die Betroffenen davor bewahrt werden, Sozialhilfe beantragen zu müssen. Das gelang nur zur Hälfte. Die andere Hälfte kann die Heimkosten trotz des Pflegewohngelds von bis zu 200 Euro im Monat nur mit zusätzlicher Hilfe des Sozialamtes bezahlen. Da Schwesig statt der Heime künftig die ambulanten Pflegedienste stärker unterstützen will, läuft das Pflegewohngeld aus.

Es sei dringend notwendig, ambulante Angebote zu fördern, da die meisten Senioren so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung leben wollen. Außerdem sei es kaum bezahlbar, alle Pflegebedürftigen in Heimen unterzubringen. Gerade für den ländlichen Raum, wo Pflegedienste lange Anfahrtswege bewältigen müssen, gelte es, nach neuen Lösungen zu suchen, hieß es.

Mit 1,1 Millionen Euro pro Jahr will Schwesig direkt die ambulanten Pflege-Dienste und -Einrichtungen unterstützen. Geld bekommt aber nur, wer seine Mitarbeitern angemessen bezahlt, also die Löhne an einschlägigen Tariflöhnen orientiert. Das sieht der Entwurf für ein neues Landespflegegesetz vor, das Schwesig gestern der Landesregierung vorschlug.


Unterstützung auch für Kommunen

Derzeit gilt für Pflegehilfskräfte ein Mindestlohn von brutto 7,75 Euro pro Stunde. Fachkräfte bekommen laut Tarif bis zu 13 Euro die Stunde. Die Sozialministerin will mit der Lohn-Klausel dafür sorgen, dass Pflegekräfte ordentlich bezahlt werden und langfristig genug Pflegepersonal im Land bleibt. Weitere 1,5 Millionen Euro will Schwesig den Kommunen zur Verfügung stellen, damit diese vor Ort Lösungen suchen und finden können.

In MV werden zurzeit über 60 000 alte oder kranke Menschen gepflegt. Fast die Hälfte von ihnen wird von Familienangehörigen betreut. Weitere 16 000 nehmen die Hilfe von einem der 424 ambulanten Pflegedienste in Anspruch, rund 18 000 Pflegebedürftige leben in den 263 Pflegeheimen des Landes. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der pflegebedürftigen Senioren in den kommenden Jahren rasant steigen wird.

Da das Pflegewohngeld künftig wegfällt, müssen die Kommunen die Finanzlücke vieler Heimbewohner durch höhere Sozialhilfe schließen. Das Land soll ihnen dabei mit 3,5 Millionen Euro pro Jahr helfen.

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