Servicebüro : Pfiffige Ideen für Familien

Erste Hilfe im Rucksack: Müssen Mitarbeiter-Kinder kurzfristig beschäftigt werden, kann Steffi Preuß auf Spielzeug für verschiedene Altersgruppen zurückgreifen.
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Erste Hilfe im Rucksack: Müssen Mitarbeiter-Kinder kurzfristig beschäftigt werden, kann Steffi Preuß auf Spielzeug für verschiedene Altersgruppen zurückgreifen.

Servicebüro will Mitarbeitern bei beruflichen wie privaten Problemen zur Seite stehen

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28. November 2014, 12:00 Uhr

Steffi Preuß ist es gewohnt, nach dem kürzesten Weg zu bestimmten Stationen oder Kliniken, dem Blumenladen oder dem nächstgelegenen Parkscheinautomaten gefragt zu werden. Schließlich liegt das Pfiff-Service-Büro im Hauptfoyer der Greifswalder Universitätsmedizin genau neben der großen Eingangstür.

Doch auch wenn Steffi Preuß selbstverständlich jedem Besucher hilft – ihre eigentliche Aufgabe ist das nicht. Denn Pfiff steht als Abkürzung für „Projekt zur Förderung von Ideen zur Familienfreundlichkeit“, das Servicebüro soll also eine Anlaufstelle für Beschäftigte, aber auch Studierende sein, die Hilfe dabei brauchen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Denn dabei kann es viele Probleme geben: „Familiärer Pflegenotstand, Beratungen oder Weiterbildungen am späten Abend oder an Wochenenden, kollidierende Dienstpläne, wenn beide Partner an der Universitätsmedizin beschäftigt sind, oder fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten für Alleinerziehende mit unregelmäßigen Arbeitszeiten…“, zählt Dr. Astrid Petersmann, die Gleichstellungsbeauftragte der Universitätsmedizin, auf. Wieder andere Fragen hätten diejenigen, die neu ins Unternehmen kämen, womöglich sogar aus dem Ausland. Hier reiche das Spektrum von der Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen über die Suche nach einem Arbeitsplatz für den Partner bis hin zur Betreuung der Kinder.

„Bei vielen Dingen können wir gleich vor Ort helfen“, betont Steffi Preuß, die selbst jahrelang als Schwester im Schichtdienst gearbeitet hat und deshalb in vielerlei Hinsicht sehr gut versteht, wovon die bei ihr Rat Suchenden sprechen. Kurzfristige Engpässe bei der Kinderbetreuung lassen sich zum Beispiel über einen Babysitterpool oder die betriebseigene Familienwohnung überwinden, in der bis zu fünf Mädchen und Jungen gleichzeitig von Pädagogen betreut werden können. „Im Servicebüro haben wir darüber hinaus ständig aktualisierte Listen mit freien Plätzen in Kitas oder bei Tagespflegepersonen“, erzählt Steffi Preuß. Manchem reiche der entsprechende Link im Internet. „Aber wir haben auch Mitarbeiter, die zwar mit hochmodernen Geräten arbeiten, im Umgang mit dem Internet aber keinerlei Erfahrung haben – für sie übernehmen wir dann auch selbst die Kontaktaufnahme.“

„Unser Credo ist, persönlich da zu sein“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte. Als Mutter dreier Kinder weiß die Biologin und Oberärztin selbst sehr gut, wie wichtig die Rahmenbedingungen sowohl für den beruflichen Erfolg als auch für private Zufriedenheit sind. „Als Mutter berufstätig zu sein, war in meinem früheren Lebensumfeld in Hannover nicht üblich – und Krippenplätze rar“, erzählt sie. Ganz anders in Greifswald. „Es gibt hier eine feste Kultur der Vereinbarkeit von Familie und Beruf – nur leider sind sich hier viele gar nicht im Klaren darüber, was das für ein Pfund ist.“

Im Mai nächsten Jahres, so Petersmann, wird auf dem Klinikgelände die erste 24-Stunden-Kita in Greifswald eröffnet – für junge Eltern, die in der Universitätsmedizin beschäftigt sind, eine weitere Möglichkeit der Entlastung. „Aber nicht nur Eltern, sondern zunehmend auch Großeltern wenden sich an uns“, betont Steffi Preuß – schließlich hielten sehr viele Mitarbeiter dem Unternehmen jahrzehntelang die Treue. Auch ihnen sei es wichtig, trotz Schichtarbeit noch genug Zeit für die Familie zu haben – „ das war lange niemandem bewusst, ist ja aber durchaus berechtigt“, meint Astrid Petersmann.

Das Servicebüro soll sein Angebotsspektrum ständig erweitern – „schließlich ist das Familienleben bunt und vielfältig wie die Bandbreite an möglichen Konflikten“, weiß die Gleichstellungsbeauftragte. Über eine Plakataktion versucht sie momentan nicht nur, Wünsche und Anregungen von Mitarbeitern aus verschiedenen Berufsgruppen sichtbar zu machen. Petersmann hofft auch darauf, neue Anregungen dafür zu bekommen, wo pfiffige Lösungen gefragt sind, um aus großen Problemen kleine zu machen.

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