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Stellenausschreibungen : Personalnot: Polizei holt Feldjäger

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bewerberzahlen sinken seit Jahren – Innenministerium geht neue Wege bei der Suche nach Verstärkung

von
erstellt am 07.Apr.2016 | 06:30 Uhr

Um personelle Lücken möglichst schnell zu schließen, will die Landespolizei Mecklenburg-Vorpommerns Feldjäger der Bundeswehr einstellen. Entsprechende Informationen unserer Redaktion bestätigte gestern das Innenministerium.

Die Stellen sind zum 1. Juli dieses Jahres ausgeschrieben. Die Bewerber dürfen das 40. Lebensjahr nicht überschritten haben und müssen über eine abgeschlossene Ausbildung zum Feldjägerfeldwebel verfügen.

„Bereits während der dreijährigen Probezeit erfolgt ein Einsatz speziell im schutzpolizeilichen Einzeldienst oder in anderen Spezialbereichen“, heißt es in der Ausschreibung. Die Ausbildung dauert 15 Monaten, in dieser Zeit ist auch eine theoretische Schulung von mindestens drei Monate an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow vorgesehen. Feldjäger, die sich beworben haben und angenommen sind, werden als Polizeiobermeister und Beamte auf Probe eingestellt. Die Zahl der zu besetzenden Stellen liege im „unteren zweistelligen Bereich“, teilte das Ministerium auf Anfrage mit.

Bereits im vergangenen September hatte die Landespolizei in Brandenburg 25 ehemalige Militärpolizisten eingestellt. Ursprünglich wollte das Nachbarland 50 Feldjäger anwerben, um Lücken bei der Polizei zu schließen. Bislang haben sich allerdings nur 34 Bewerber gemeldet. In Mecklenburg-Vorpommern sind die Aussichten besser. In Neubrandenburg ist das Feldjägerbataillion 151 stationiert.

Hintergrund: Die Polizei braucht dringend personelle Verstärkung. Heute wird die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Schwerin vor der Staatskanzlei gegen die jahrelange Sparpolitik protestieren. Allein von 2001 bis 2011 wurden 1000 Stellen in der Landespolizei abgebaut.

Seit Ende vergangenen Jahres gibt es ein Umdenken. Die Landesregierung hat im Dezember grünes Licht für 100 zusätzliche Stellen in der Landespolizei gegeben – davon sind 44 für zusätzliche Anwärter und 56 für Seiteneinsteiger geplant.

Die Zahl der Bewerber geht allerdings seit Jahren zurück. „Neben der demografischen Entwicklung macht sich der Wettbewerb mit anderen Landespolizeien bemerkbar, die ebenfalls ihr Personal aufstocken und teilweise mit besseren Gehältern locken“, sagte Christian Schumacher, Landesvorsitzender der GdP.
Außerdem würden die hohen Belastungen der landesweit etwa 5800 Polizeibeamten potenzielle Bewerber abschrecken.

Gab es im Jahre 2010 noch 2272 Bewerbungen für 95 Stellen sind es in diesem Jahr nach Auskunft des Innenministeriums 1741 Bewerbungen für 220 Stellen – das sind acht Bewerber pro Stelle. Zu wenig wie das Beispiel 2014 zeigt: Vor zwei Jahren waren von 1474 Bewerbern 887 zugelassen worden. Von diesen erschienen nur 647 in Güstrow zum Testverfahren. Allein beim Deutsch-Test rasselte fast jeder dritte Bewerber durch. Nur etwa jeder zehnte Bewerber wurde am Ende zugelassen.

Problematisch ist zudem die Altersstruktur der Polizei. In den kommenden Jahren werden deutlich mehr Beamte in den Ruhestand gehen. „Wir brauchen mindestens jedes Jahr 250 Neueinstellungen, um den Personalstand zu halten“, so GdP-Chef Schumacher.

Im vergangenen Jahr wurde bereits der Numerus Clausus für die Polizeiausbildung gestrichen. Auch auf die Mindestkörpergröße von 165 Zentimetern will man künftig verzichten. Die Standards im Testverfahren sollen aber nicht gesenkt werden. „Wir wollen nur die Besten für den Polizeiberuf“, versprach Innenminister Lorenz Caffier (CDU).

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