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Ein Blick ins Nest : Personalausweis für kleine Störche

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf zweiter Tour des Jahres erhalten Jungtiere ihre individuelle Plastikmarke

Vorsichtig nähert sich Christoph Roscher mit der Hebebühne dem Storchennest in Broderstorf. Während der Altvogel zwischenzeitlich die Flucht ergreift, bekommt der 42-Jährige das einzig verbliebene Jungtier des Nestes zu fassen, verstaut es vorsichtig in einem Plastikkorb und lässt die Hubbühne wieder langsam nach unten gleiten.

Dort wartet schon das Beringungs-Team um Prof. Stefan Kroll, Weißstorchbetreuer des Naturschutzbundes für den Altkreis Bad Doberan. Gemeinsam mit den Zweitklässlern der Grundschule An der Carbäk will er den kleinen Adebar genauer unter die Lupe nehmen. Auf etwa zwei bis drei Wochen schätzt der Experte den Jungvogel, den Hans-Heinrich Zöllick im Anschluss fachmännisch mit einem Plastikring ausstattet. „In ungeraden Jahren wie 2015 beringen wir links, in geraden rechts“, sagt Kroll. Neben der Kennung für die zuständige Vogelwarte Hiddensee mit Sitz in Greifswald erhält jeder Storch einen ganz persönlichen Code aus Zahlen und Buchstaben, der es später ermöglicht, ihn ganz genau zu identifizieren.

Inzwischen setzt sich der Tross, zu dem neben Kroll, Zöllick und Roscher auch Hans-Dieter Graf, Helmut Stienhans sowie Ulla und Frank Renne gehören, wieder in Bewegung. Petschow ist die nächste Station der heutigen Beringungs-Route. Insgesamt 15 Stationen zwischen Alberstorf und Heiligenhagen fährt das Team an. „Das sind die Nachzügler. Hier ist der Bruterfolg häufig auch entsprechend geringer“, sagt Kroll. Bereits vor zwei Wochen war das Team im Auftrag der Storche unterwegs, zählte da 36 Küken in 12 Nestern.

In Petschow angekommen, steigt auch die Aufregung bei Helmut Stienhans. „Das ist einer meiner Horste, die ich regelmäßig beobachte“, sagt er nicht ohne Stolz. Entsprechend gespannt ist er, als sich Christoph Roscher erneut mit der Hebebühne aufschwingt. Nach sechsjähriger Erfahrung weiß er ganz genau, wie er mit den Tieren umgehen muss. „Am günstigsten ist das Alter zwischen vier und sechs Wochen Bei älteren Tiere besteht immer die Gefahr, dass sie vor Panik aus dem Nest fallen“, sagt er. Christoph Roscher arbeitet eigentlich bei der Agrargenossenschaft Papendorf und wird für die Beringungs-Touren freigestellt. Die Kosten dafür übernimmt der Bauernverband Bad Doberan. Im Nest angekommen, muss Roscher jedoch feststellen, dass eines der drei Jungtiere die schweren Unwetter der vergangenen Tage nicht überlebt hat. Die beiden übrigen versieht er noch auf dem Horst mit ihrem neuen „Personalausweis“, während Ulla Renne das verendete Tier vorsichtig aus dem Nest entfernt, um seine Geschwister zu schützen.

„Gefährlich wird es noch einmal, wenn die Tiere flügge werden, sich bei den ersten Flugversuchen verletzen“, so Kroll. Schon jetzt spricht der Weißstorchbeauftragte allerdings von keinem guten Jahr für seine Tiere. „2014 haben wir 92 Jungvögel beringt, in diesem Jahr haben wir Mühe, überhaupt auf 70 zu kommen“, sagt er. Verantwortlich macht Kroll dafür vor allem die verspätete Rückkehr vieler Paare im April. „Die meisten Paare brüten dann nicht mehr. Aber auch die anhaltende Hitze macht den Tieren zu schaffen“, so Kroll.

Anne Schwartz

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