Perleberg lehnt noch mehr Biogas ab

svz.de von
08. Juni 2012, 05:15 Uhr

Perleberg/Sükow | Eine Biogasanlage für 500 Kilowatt elektrische Leistung zu errichten, dafür hat der Sükower Betreiber der Hähnchen-Mast GmbH, Frank Schmidt, die sogenannte Privilegierung. "Und die soll er auch ausnutzen, wie sie ihm zusteht", so der Tenor der Sitzung des Hauptausschusses. Er möchte sich aber die Möglichkeit zur Produktionserhöhung, zum Beispiel durch Einsatz effizienter Pflanzen, durch Optimierungen der Verfahrenstechnik oder auch durch die Veränderung der Substratmengen, offen halten, sprich die Leistung auf 1,2 bis 1,5 Megawatt auszubauen. Das hieße jedoch, dass der bestehende Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan erstellt werden muss. Damit würden sich dann aber auch Tür und Tor öffnen für Außenstehende, die hier in eine gewerbliche Nutzung einsteigen könnten. Genau das bereitet den Mitgliedern des Hauptausschusses offensichtlich Bauchschmerzen. Denn mehrheitlich lehnten sie die Weiterempfehlung des so genannten Grundsatzbeschlusses an die Stadtverordnetenversammlung zur Aufstellung eines Bebauungsplanes ab. Ihre Argumente: Mehr Produktion verlangt mehr Inputstoffe, und woher sollen die kommen? Die Befürchtung, dass Sükow dann von großen Transporten sprichwörtlich überrollt werde, konnte ihnen niemand nehmen. Also befanden die Ausschussmitglieder, der Landwirt solle erst einmal die Anlage bauen, für die derzeit das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz laufe.

Als ökonomisch und ökologisch sinnvoll beschreibt Frank Schmidt sein Vorhaben, eine Biogasanlage für 500 Kilowatt elektrische Leistung zu errichten. "Mir geht es vor allem um die Nutzung der Abwärme. Denn jährlich habe ich zwischen 60 000 und 80 000 Euro an Heizkosten. Damit wird faktisch der Gewinn, den wir im Sommer erwirtschaften, im Winter aufgefressen", so der Landwirt. Als solcher ist er privilegiert, im Außenbereich eine derartige Anlage zu betreiben. Erzeugt werden soll dieses Biogas aus Mais, Zuckerrüben und Hähnchenmist.

Die Sükower Anlage werde auf rund 1,5 Hektar ihren Standort haben. Mais von 120 Hektar Fläche, Rüben von 50 Hektar und dazu dann noch 320 Tonnen Hähnchenmist werden für den Input benötigt. Alles komme aus eigenem Aufkommen "und bedeutet, dass maximal drei bis vier Tage geerntet wird", fügt Frank Schmidt an.

3,5 Millionen Euro werden investiert, um besagte Anlage zu errichten, deren Abwärme im Winter in die Ställe fließt und im Sommer für die Trocknung von Substrat für Gärtnereien genutzt werden soll. Ins Auge gefasst ist auch die Trocknung von Getreide. Mit der Anlage werde ein zusätzlicher Arbeitsplatz geschaffen und im gleichem Atemzug auch das Gelände optisch ansprechend hergerichtet.

In erster Linie will Frank Schmidt aber Landwirt bleiben, das heißt, die Anlage soll später durch eine Investorengemeinschaft betrieben werden. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Fläche, auf der sie errichtet wird, als Sondergebiet Biogas ausgewiesen wird. Mit dem Grundsatzbeschluss wäre das gegeben "und zugleich eben auch die Option erteilt, dass, wenn man alle Gesetzlichkeiten einhält man eben auch bauen darf", bestätigt Sandra Saffran vom Bauamt der Stadt auf Nachfrage.

Frank Schmidt dazu: "Die Bedenken des Hauptausschusses respektiere ich durchaus. Die Landwirtschaft soll auch in ihrer Hoheit bleiben. Es liegt nicht in meinem Interesse, die Prignitz mit Biogasanlagen zu übersäen."


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen