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Mecklenburg-Vorpommern

18. Dezember 2017 | 02:29 Uhr

Mathias Brodkorb : „Perfide und bösartig“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SPD und CDU weisen Forderung der Linken auf Absetzung von Bildungsminister Brodkorb scharf zurück

svz.de von
erstellt am 19.Sep.2014 | 07:55 Uhr

„Im höchsten Maße niederträchtig“, „inquisitorisch, perfide und bösartig“, „reinste Polemik“ – mit scharfen Formulierungen hat der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Norbert Nieszery, gestern die Forderung der Linken zurückgewiesen, Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) zu entlassen. Um seine Bildungspolitik zu diffamieren, versuche die Linkspartei, Brodkorb in die Nähe von Pädophilen zu rücken. „Hier sind Grenzen überschritten worden“, so Nieszery, und drohte, sich daran zu erinnern, falls die Linkspartei irgendwann einmal wieder mit der SPD zusammenarbeiten wollte. Geschlossen lehnten SPD und CDU den Antrag der Linken ab.

Die Linkspartei hatte ein Buch, das Brodkorb an die Lehrer im Land hatte verteilen lassen, zum Anlass genommen, die Entlassung des Ministers zu fordern. Die Autorin Enja Riegel, Ex-Schulleiterin in Wiesbaden und bundesweit bekannte Reformpädagogin, hatte es 2004 mit einem Dank für seine Zuarbeit an Gerold Becker versehen. Der inzwischen verstorbene Becker hatte als Schulleiter der Odenwaldschule zahlreiche Kinder missbraucht. Brodkorb hatte das Buch wegen dieser Danksagung, die in der vor dem Druck vom Verlag bezogenen Version nicht vorhanden war, wieder einsammeln lassen.

„Meine Fraktion hat mehrfach auf die Geisteshaltung der Autorin hingewiesen“, behauptete Peter Ritter (Linke). Riegel habe zudem einen Lehrer ihrer Schule, der 1989 ebenfalls Kinder missbraucht habe, nicht angezeigt. Auch wenn der Mann aus dem direkten Schuldienst flog, habe Riegel ihn später mit auf eine Klassenreise gelassen. Laut Riegel wurde der Mann im Einvernehmen mit den betroffenen Eltern damals nicht angezeigt. Ritter warf dem Buch zudem „zweifelhafte Passagen“ vor, ohne dies näher zu belegen.

Im Antrag hatte die Linkspartei dem Buch „Gewaltverherrlichung“ und „sexuelle Assoziationen im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen“ attestiert. Nieszery unterstellte der Linken „miefige Moralvorstellungen“. Würden diese zum Maßstab genommen, müsste die halbe Weltliteratur eingestampft werden. Das Riegel-Buch sei anerkannte Fachliteratur und keineswegs „Teufelszeug“. Auch Torsten Renz (CDU) hackte auf der Linken herum. „Taumelnd am politischen Abgrund“ versuche die Linke, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Ritter wollte die Buch-Veröffentlichung denn auch nur als Tropfen sehen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Vor allem gehe es der Linken um die gesamte Bildungs- und Kulturpolitik Brodkorbs, der sich als „Minister für Pleiten, Pech und Pannen“ erwiesen habe.

Die Fraktionen von SPD und CDU lehnten erwartungsgemäß die Entlassung Brodkorbs ab. Die Grünen enthielten sich der Stimme.


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