Landwirtschaft : Per Hühnermobil unterwegs

Mobiler Hühnerstall auf dem Biohof
Mobiler Hühnerstall auf dem Biohof.

Ställe auf Rädern oder Kufen sind im Kommen. Ortswechsel tut Tieren und Böden gut.

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03. April 2018, 12:00 Uhr

Hühner brauchen Auslauf, ihre eigenen vier Wände und ein Dach überm Kopf. Auch eine Art Wohnmobil – oder besser ein Mobilstall – ist für sie völlig in Ordnung. Immer mehr Landwirte sehen Vorteile in einem fahrbaren Hühnerstall. Die Idee: Die Ställe werden regelmäßig versetzt, sodass die Tiere immer ein grünes Stück Weide haben. Vorzugsweise im Dunkeln, wenn alle Hühner auf der Stange sitzen, spannt der Landwirt einen oder mehrere Traktoren vor den Mobilstall und zieht ihn weiter.

Für die Umweltorganisation BUND sind die Hühnermobile sogar „die bäuerliche Alternative“ zu den Massentierhaltungsanlagen für Legehennen und Mastgeflügel. „Durch das regelmäßige Umsetzen wird der Infektionsdruck durch den Kot der Hennen minimiert und die Tiere bleiben gesund“, erklärt der Agrarexperte des BUND in Mecklenburg-Vorpommern, Burkhard Roloff. Von den rund 40 Millionen Legehennen in Deutschland lebt nach Einschätzung des selbstständiges Öko-Beraters Friedhelm Deerberg aus der Nähe von Göttingen eine Million in mobilen Ställen. Noch handelt es sich also um eine Nische, doch der Markt wächst. Mittlerweile hätten alle großen Stall-Anbieter auch Mobilställe im Programm, es gebe Wartezeiten, sagt Deerberg. Auf Grünland müssen die Ställe allerdings alle ein bis zwei Wochen umgesetzt werden, damit sich die Grasnarbe wieder erholt.

Lukas Propp vom Betrieb „Hufe8“ in Selow (Landkreis Rostock) sieht das entspannter. Er versetzt seine vier Ställe mit je 1650 Hennen auf 22 Hektar Acker sechs- bis achtmal im Jahr. Danach werden die zerscharrten Ausläufe jeweils neu mit Kleegras bestellt.

Auf dem Demeterhof Medewege bei Schwerin leben knapp 1000 Legehennen in zwei Mobilställen. Andreas Kast sieht viele Vorteile in den mobilen Unterkünften. Er hat immer noch die feuchten Uralt-Ställe vor Augen, in denen die Hühner früher ihre Eier legten. „Die Mobilställe sind luftig und lassen sich komplett reinigen.“ Auch dadurch sei der Krankheitsdruck geringer. Ratten, früher eine Riesenplage, hätten kaum eine Chance, sich einzunisten.

Die neuen Ställe laufen hinsichtlich Licht, Futter und Wasser automatisch, auch die Klappen zum Wintergarten und ins Freie öffnen und schließen sich von selbst.

Mobilställe sind Ökoberater Deerberg zufolge nicht nur für Biohaltungen interessant. Auch konventionelle Betriebe entscheiden sich oft für einen Mobilstall – auch wenn der mit 100 bis 150 Euro je Hennenplatz um ein Drittel bis die Hälfte teurer ist als ein fester Stall.

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