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German Pellets : Pellets-Pleite: Anleger wollen Geld

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erste Gläubigerversammlung nach der Insolvenz des Brennstoffherstellers German Pellets in Schwerin. Hunderte Kapitalgeber erwartet

svz.de von
erstellt am 01.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Es ist eines der größten Verfahren in MV: Nach dem Zusammenbruch des Brennstoffherstellers German Pellets aus Wismar fordern Tausende Anleger ihr Geld zurück. Rund 17 000 Anleger sollen dem Unternehmen über Anleihen und Genussrechte Geld gegeben haben – insgesamt 280 Millionen Euro, wie aus den Unterlagen der Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde hervorgeht. Kommende Woche treffen sie sich erstmals zu vier Gläubigerversammlungen in der Kongresshalle in Schwerin. Das Insolvenzgericht Schwerin rechnet mit mehr als 500 Kapitalgebern, die persönlich erscheinen werden.

Für jede der drei Anleihen und den Genussschein hat das Amtsgericht Schwerin eine Versammlung anberaumt, sagte Schmuddes Sprecher Wolfgang Weber-Thedy. Auf jeder der Versammlungen vom 5. bis 8. Juli können die Gläubiger jeweils einen Gemeinsamen Vertreter wählen. Diese haben dann die Forderungen der Anleger anzumelden, das Stimmrecht in der Gläubigerversammlung auszuüben und etwaige Quotenzahlungen an die Anleihe- und Genussscheingläubiger zu verteilen, wie Weber-Thedy erläuterte. Für das Amt des Gemeinsamen Vertreters kandidieren mehrere Rechtsanwälte aus ganz Deutschland.

Zum Auftakt der vier Versammlungen am 5. Juli sind die Besitzer der Inhaber-Schuldverschreibung 2011/2016 geladen, die German Pellets im April hätte zurückzahlen sollen. Deren Umfang beträgt bis zu 100 Millionen Euro. Die eigentliche Gläubigerversammlung ist für den 5. Oktober anberaumt, sagte Amtsgerichtsdirektorin Monika Köster-Flachsmeyer. Welche Chancen die Anleger haben, ihr Geld zurückzubekommen, ist offen.

Für die Werke der German Pellets-Gruppe hat die Insolvenzverwalterin inzwischen Investoren gefunden. Die Käufer von drei deutschen Werken haben gestern ihr Eigentum übernommen. Sie hätten sämtliche bei Vertragsschluss vom 1. Mai vereinbarten Bedingungen per Ende Juni erfüllt, sagte der Sprecher der Insolvenzverwalterin. Eigentümer des Werks in Wismar wurde die von den Metropolitan Equity Partners Management, LLC, New York kontrollierte Wismar Pellets GmbH, während die Werke in Ettenheim und Herbrechtingen (Baden-Württemberg) an die J. Rettenmaier & Söhne GmbH + Co KG gingen. Mit der Übergabe des Eigentums werden dem Sprecher zufolge auch die Beschäftigungsverhältnisse weitestgehend übernommen. In allen drei Werken blieben nahezu sämtliche Arbeitsplätze in der Produktion erhalten. Am Standort Wismar kam es in der Verwaltungen zu Stellenkürzungen. Seit den Abschlüssen der Kaufverträge standen die Werke zwar unter der Verantwortung der Insolvenzverwalterin, wurden aber bereits durch die Käufer betrieben. An allen drei Standorten wurden Pellets produziert. Mit der Produktionsaufnahme in dem Werk einer Tochtergesellschaft der German Pellets GmbH in Torgau (Sachsen) wird in absehbarer Zeit gerechnet. Dieses Werk wurde ebenfalls bereits veräußert. Die Projekte in den USA werden durch das US-Kompetenzteam von German Pellets unter der Regie der Insolvenzverwalterin weitergeführt. Im Juni wurde auch das Kohlekraftwerk im belgischen Langerlo verkauft. German Pellets hatte im Februar Insolvenz beantragt.

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