Zentrale Orte : Peinlich! Landesregierung vergisst Greifswald und Stralsund auf Karte

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Auf der Karte dokumentierte das Land die zentralen Orte mit besonderer wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Greifswald und Stralsund fehlten.

svz.de von
07. Juni 2016, 21:00 Uhr

Die Landesregierung hat Greifswald und Stralsund offenbar nicht im Blick. Dies ließ sich zumindest aus einer Landkarte schließen, die bis gestern im von der Staatskanzlei verantworteten Regierungsportal im Internet zu finden war. Auf der Karte dokumentierte das Land die zentralen Orte mit besonderer wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Außer den Oberzentren Schwerin, Rostock und Neubrandenburg waren die 17 Mittelzentren eingezeichnet. Doch Greifswald und Stralsund als gemeinsames und einziges Oberzentrum in Vorpommern fehlten.

Durch eine Anfrage darauf aufmerksam geworden, nahm die Staatskanzlei die Karte noch vor der Antwort aus dem Netz. Regierungssprecher Andreas Timm bedauerte das Versehen: „Da steckt keinerlei böse Absicht hinter.“ Vermutlich sei die Karte bereits 2014 hochgeladen worden. Die Landesregierung tauschte sie am Vormittag gegen eine neue aus und änderte am Nachmittag einen missverständlichen Text. Demnach bildet die neue Karte nicht mehr die Kreise, sondern  die Einzugsbereiche der jeweiligen Ober- und Mittelzentren ab.

Die fehlerhafte Internetseite befeuerte gestern die Diskussion um den strukturschwachen Osten. „Die Karte ist erneut beredter Ausdruck für die Haltung und Politik der Landesregierung“, sagte Linken-Fraktionschef Helmut Holter. Die Landesregierung ignoriere nicht nur die Probleme des Landes, sondern auch wichtige Städte wie Greifswald und Stralsund – und damit eine ganze Region. Die Oberbürgermeister der Hansestädte hatten die Regierung aufgefordert, das Versäumnis schnell zu beheben. Er gehe davon aus, dass dies ein redaktioneller Fehler sei, sagte Stralsunds Stadtchef Alexander Badrow (CDU). Ähnlich sieht es sein Greifswalder Amtskollege Stefan Fassbinder (Grüne). Er ergänzte: „Womöglich spiegelt es aber auch indirekt die Wahrnehmung Vorpommerns in Schwerin wider. Vorpommern scheint manchmal doch weit weg zu sein.“

Drei Monate vor der Landtagswahl ist ein Wettbewerb um die Unterstützung des Ostteils entbrannt, der seit der Kreisgebietsreform 2011 keine kreisfreie Stadt mehr hat. Die Linke wirft der SPD/CDU-Regierung vor, den Osten über Jahre vernachlässigt zu haben. Die CDU plant nach der Wahl einen zusätzlichen Staatssekretär, der sich speziell um den östlichen Landesteil kümmern solll.

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