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Mecklenburg-Vorpommern

25. November 2017 | 01:14 Uhr

"Peinlich, Fünf, setzen"

vom

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erstellt am 17.Apr.2013 | 11:04 Uhr

Schwerin | Ein Jahr lang sitzt eine Aufgabenkommission im Bildungsministerium über den Deutschprüfungen, und dann das: Zwölf Minuten vor Prüfungsbeginn am Montagmorgen musste das Bildungsministerium fehlerhafte Aufgabenblätter im Fach Deutsch korrigieren. Betroffen sind alle 10. Klassen der regionalen und Gesamtschulen im ganzen Bundesland. In der Prüfungsaufgabe häuften sich die Rechtschreibfehler. Eine der Fachaufgaben war von den 4756 Prüflingen im ganzen Land gar nicht lösbar, da für die Analyse eines Sachtextes nach dem Autoren gefragt wurde, dessen Name allerdings aus dem Text überhaupt nicht hervorging. Er war lediglich in den Unterlagen für die Lehrer genannt. Kurz vor dem Start der Prüfungen erreichte die Schulleitungen eine dringende E-Mail aus dem Ministerium mit dem Hinweis, der Autor müsse nicht benannt werden, nur dessen Beruf...

Wie viele Schüler diese Aufklärung in letzter Minute überhaupt erreichte, ist schwer zu sagen. Normalerweise werden an den Schulen die versiegelten Umschläge mit den Aufgaben um sieben Uhr geöffnet, danach lesen sich die Fachlehrer die Aufgaben durch und gehen in die Klassen. Wenn zehn vor acht Uhr die Mail noch jemanden im Sekretariat erreichte, konnte man von Glück reden.

Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Lehrer schon in den Prüfungsräumen. Die Hinweise aus Schwerin werden einige nicht mehr erreicht haben, vermutet die Bildungsexpertin der Linksfraktion, Simone Oldenburg, die selbst jahrelang Schulleiterin war. Während der Prüfung selbst dürfen aber die Lehrer keinerlei Hinweise geben, auch nicht auf fehlerhafte Aufgaben. Das gilt als Betrug. Oldenburg: "Die ganze Sache ist total peinlich, Fünf, setzen." Die Linkspolitikerin fordert jetzt, Prüfungsaufgaben in einem anderen Bundesland zu testen.

Aus dem Bildungsministerium kam gestern die Entschuldigung: "Der Fehler bei der Prüfung zur Mittleren Reife im Fach Deutsch ist bedauerlich, jedoch als ein Einzelfall zu betrachten", so ein Sprecher. Die Texte der zentralen Prüfungen würden von einer Fachkommission erstellt, die überwiegend aus Lehrkräften besteht, die das Fach vertreten. Es erfolge zudem ein Kontrolllesen durch Lehrkräfte. Vor Drucklegung werde im Ministerium die Endkontrolle durchgeführt.

Das Ministerium gesteht ein, "einzelne Schreibfehler" seien "nicht korrigiert worden". Keiner dieser Fehler führe jedoch zu einer sinnentstellenden Veränderung. Die Schulen seien angewiesen, an den Prüfungstagen ab sieben Uhr für derartige Hinweise erreichbar zu sein, damit diese vor Beginn der Prüfungen zugestellt werden können.

Auch 2011 waren Prüfungsaufgaben fehlerhaft bzw. nicht verständlich. Bei den Mathe-Klausuren für die Leistungskurse war der für die Schüler zugelassene Algebra-Rechner abgestürzt. Die Prüflinge hatten die Aufgabe nicht lösen können. Bei den Deutsch-Klausuren war in einem der Prüfungstexte ein Satz nicht zu verstehen.

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