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Transparente Landwirtschaft : Peep-Show aus dem Schweinestall

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bauern setzen auf Transparenz – Webcam sendet aus einem Mastbetrieb bei Jarmen 24 Stunden am Tag im Internet

Die ersten Schweine in Mecklenburg-Vorpommern sind seit gestern online. Der Schweinemastbetrieb Kühling GbR Zemmin bei Jarmen (Landkreis Vorpommern-Greifswald) hat eine Stall-Webcam in Betrieb genommen. 24 Stunden am Tag werden Bilder per Livestream aus einer Tierbucht mit Mastschweinen ins Internet übertragen.

„Wir wollen jedermann transparent zeigen, wie wir unsere Tiere halten“, sagte Bauernverbandspräsident Rainer Tietböhl. Nach einem Beschluss des Deutschen Bauernverbandes (DBV) soll in jedem Bundesland eine Webcam zeigen, wie Schweine oder Geflügel gehalten werden.

Einblick nehmen können Interessierte auf der Internetseite des Landesbauernverbandes. Stall-Webcams gibt es bereits in Schleswig-Holstein und Bayern. Moderne Schweineställe sind aus seuchenhygienischen Gründen   geschlossene Systeme und für Betriebsfremde nicht zugänglich, sagte Tietböhl. Viele Menschen wüssten daher nicht, wie es in einem modernen Stall aussieht und welche Vorteile er habe.

Mit dem Betrieb der Landwirte Michael und Andreas Kühling wurde laut Bauernverband ein für das Land repräsentativer Hof für die Webcam ausgewählt. Dort werden konventionell 5500 Mastschweine und 650 Sauen gehalten. Die Brüder wirtschaften Michael Kühling zufolge mit zwölf Mitarbeitern, auf 900 Hektar wird Futter angebaut.

Trotz angestrebter Kreislaufwirtschaft müsse Futter, vor allem Eiweißfutter, zugekauft werden.

Mit Blick auf den jüngsten Futtermittelskandal bei Bio-Futter sagte Tietböhl, die Landwirte müssten sich auf die Qualität der Futtermittel verlassen können. Im Fall des mit Pestiziden verseuchten Sonnenblumenkuchens müssten die Biobauern Schadenersatz vom Futtermittelhersteller fordern.

Der Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes, Martin Piehl, sagte, die Politik müsse bessere  Rahmenbedingungen schaffen. So müsse eine Produkthaftpflichtversicherung für die Produzenten, vor allem im Futterbereich, eingeführt werden. Es sei keine Lösung, dass die Landwirte das gelieferte Futter selbst beproben müssen.

Die Brüder Kühling kündigten an, sich an der Initiative Tierwohl des Bauernverbandes beteiligen zu wollen. Diese Initiative soll auf der Grünen Woche in Berlin gestartet werden: Die beteiligten Betriebe sollen Tieren bessere Bedingungen, vor allem mehr Platz und Beschäftigung, einräumen und erhalten dafür vier Cent mehr je Kilo Fleisch.  

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