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Versuchsstelle Kummersdorf : Peenemünde zeigt neue Ausstellung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Raketenentwicklung als Massenvernichtungsmittel begann nicht erst in Peenemünde. In einer Sonderausstellung beleuchtet das Museum Peenemünde nun die Versuchsstelle Kummersdorf südlich von Berlin und zeichnet den Weg der Eskalation der deutschen Rüstungspolitik nach.

Die NS-Heeresversuchsanstalt Peenemünde zur Entwicklung der V2-Vernichtungswaffen während des Zweiten Weltkrieges hat mit der Versuchsstelle Kummersdorf südlich von Berlin einen Vorläufer. In einer Sonderausstellung im Historisch-Technischen Museum Peenemünde wird seit gestern erstmals der Fokus auf diesen Ort der militärischen Raketenforschung gelegt.

„Kummersdorf ist heute, im Gegensatz zu Peenemünde, kein bekannter Name, sondern ein vergessener Ort der deutschen Geschichte“, sagte Ausstellungskurator Philipp Aumann. Über den Schießplatz selbst sei buchstäblich Gras gewachsen. Die Ausstellung „Rüstung auf dem Prüfstand. Kummersdorf, Peenemünde und die totale Mobilmachung“ soll als Spurensuche die beiden Orte in ihrer Verbindung zu Politik, Industrie, Militär und Wissenschaft beleuchten.

In Kummersdorf entstand 1875 das größte deutsche Erprobungszentrum für neue Waffen. Dort habe auch um 1930 das Großraketenprogramm begonnen, u. a. mit Wernher von Braun, dem späteren führenden Kopf in Peenemünde, sagte Aumann. Allerdings ließ der Ort nur Kleinversuche zu. Sechs Jahre später begann unter größter Geheimhaltung der Bau der Heeresversuchsanstalt in Peenemünde an der abgelegenen Nordspitze Usedoms. „Im Verständnis der Bedeutung Kummersdorfs liegt der Schlüssel für das Verständnis des Systems Peenemünde.“

Die Sonderausstellung, die in sechs Räumen des Museums Peenemünde gezeigt wird, dokumentiert die Arbeit des Militärs in Kummersdorf und die Entwicklung Peenemündes. Unter den 100 Ausstellungsobjekten befinden sich Fotografien, Dokumente und originale Fundstücke wie Granatsplitter, Geschütz- und Raketenteile.

Schon 1930 habe der spätere Leiter des Heereswaffen-amtes, Karl Becker, die militärische Ausrichtung der deutschen Raketenentwicklung als Instrument der  Massenvernichtung und des Terrors deutlich gemacht: „Gedacht war gegen Erstziele in erster Linie an eine Gasrakete, da sich diese am besten zum Flächenschießen eignet“, zitiert der Ausstellungskurator den späteren General Becker. Dies belege, dass man in der Rakete frühzeitig ein Instrument für die „räumliche Entgrenzung des Schießens“ gesehen habe, mit der Absicht, die Zivilbevölkerung weitab der Front zu treffen. Die Ausstellung ist bis zum 15. November 2015 in Peenemünde zu sehen.

 

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