Technik auf dem Weg an die türkische Grenze : "Patriots" aus MV legen in Lübeck ab

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Fahrzeuge und Container der "Patriot"-Einheiten aus Mecklenburg-Vorpommern werden in Lübeck für den Türkei-Einsatz verladen.Christian Charisius/dpa

Nur noch gut 6000 deutsche Soldaten sind derzeit im Auslandseinsatz. Nun steigt die Zahl wieder. Gestern brachen die ersten 20 deutschen Soldaten in die Türkei auf. "Active Fence" (Aktive Schranke) heißt ihre Mission.

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08. Januar 2013, 07:43 Uhr

Schwerin/Lübeck/Ein d-hoven | Ihren Einsatz in Bosnien hat die Bundeswehr vor wenigen Monaten beendet, der Abzug aus Afghanistan läuft auf Hochtouren, und auch im Kosovo schrumpft die Schutztruppe. Nur noch gut 6000 deutsche Soldaten sind derzeit im Auslandseinsatz.

Nun steigt die Zahl wieder - zumindest vorübergehend. Gestern brachen die ersten 20 deutschen Soldaten in die Türkei auf. "Active Fence" (Aktive Schranke) heißt ihre Mission, die den Nato-Bündnispartner mit "Patriot"-Abwehrraketen vor Angriffen aus Syrien schützen soll. Die Systeme waren bis Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern an den Standorten Sanitz und Warbelow stationiert und gestern in Lübeck auf die Verschiffung vorbereitet worden.

Insgesamt 350 deutsche Soldaten sollen sich zusammen mit amerikanischen und niederländischen Kameraden an der Mission beteiligen. Die Bundesregierung hat von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, dass Deutschland der Türkei zur Seite stehen wird.

Nach dem Nato-Einsatz in Libyen, bei dem Deutschland nicht mitmachte, wäre ein erneutes Ausscheren auch kaum vorstellbar gewesen. "Wir haben die Solidarität der Nato im Kalten Krieg erfahren, und jetzt können wir diese auch der Türkei geben", sagte der Befehlshaber des Bundeswehr-Einsatzführungskommandos, Generalleutnant Rainer Glatz, bei der Verabschiedung der Soldaten.

Gestern am frühen Morgen brach das deutsche Vorauskommando zusammen mit 30 niederländischen Kameraden von Eindhoven aus in die Türkei auf. Für viele ist es nicht der erste internationale Einsatz. Die unberechenbare Lage in Syrien verleiht ihm aber eine besondere Brisanz.

Beunruhigung war unter den Soldaten, die sich auf die sechsstündige Reise zum Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der Nähe der südtürkischen Millionenstadt Adana machten, trotzdem nicht zu spüren. "Ich glaube nicht, dass es eine direkte Gefahr gibt, dass das eskalieren könnte", sagt der 39 Jahre alte Hauptmann Rudolf Stegmaier. Zum Abschied prosteten sich die Soldaten mit einem Fingerhut voll Kräuterbitter zu - eine niederländische Tradition.

Der Einsatz der deutschen Soldaten ist rein defensiv. Die "Patriot"-Staffeln der Bundeswehr werden 100 Kilometer von der türkisch-syrischen Grenze entfernt stationiert. Sie können aber nur Ziele in einem Umkreis von 68 Kilometern treffen. Der Abschuss von Flugzeugen oder Raketen über syrischem Gebiet ist also gar nicht möglich. Trotzdem befürchten Kritiker, dass Deutschland in den Syrien-Konflikt hineingezogen werden könnte.

Das syrische Regime hat den Einsatz als Provokation gewertet, Russland hat vor einer weiteren Eskalation des Konflikts gewarnt, und der iranische Generalstabschef sprach im Zusammenhang mit der "Patriot"-Stationierung sogar von der Gefahr eines neuen Weltkriegs.

Auch der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan übt sich nicht gerade in rhetorischer Zurückhaltung. "Jederzeit sind wir mit allen unseren Möglichkeiten zum Krieg bereit", sagte er laut türkischen Medien in der vergangenen Woche.

Bisher ist keine einzige syrische Rakete auf türkischem Boden eingeschlagen. Bei Granateneinschlägen in der Türkei gab es allerdings Tote. Und wie sich der Bürgerkrieg in Syrien entwickelt, wagt niemand vorherzusagen.

Bis die Bundeswehr in der Türkei voll einsatzbereit ist, werden voraussichtlich noch drei Wochen vergehen. Die Ausrüstung des deutschen Kontingents wurde gestern im Hafen von Lübeck-Travemünde auf ein dänisches Schiff verladen. Vor dem Hafenhaus demonstrierte eine kleine Gruppe von Friedensaktivisten.

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