Hochzeitstermin zu Weihnachten : Patrick Dahleman darf nicht heiraten

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Hochzeit von Staatssekretär am 24. Dezember ist geplatzt.

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15. Dezember 2017, 20:55 Uhr

Für Vorpommerns Strahlemann Patrick Dahlemann sollte es ein besonderes Weihnachtsfest werden. Der Staatssekretär, der sich im Namen der Schweriner Landesregierung um die Belange des östlichen Landesteils kümmern soll, wollte am Heiligabend heiraten. Allerdings machen verschiedene Behörden dem Bräutigam das Leben schwer. Sie stören sich nicht daran, dass der Atheist seine Freundin Corinna ehelichen will, wenn andere Leute zur Kirche gehen. Der Heiligabend fällt auf einen Sonntag. Und sonntags, so wiehert der Amtsschimmel vollkommen richtig, dürfen Standesbeamte in der Regel nicht arbeiten.

Der 29 Jahre alte SPD-Politiker musste den Schreck erst einmal verdauen, denn der Amtschimmel wieherte äußerst kurzfristig. „Die Nachricht, dass es Schwierigkeiten mit unserem Hochzeitstermin gibt, hat uns gestern unvorbereitet getroffen“, ließ der Staatssekretär ausrichten. „Ich glaube, man kann gut nachvollziehen, was es bedeutet, wenn zehn Tage vor der Trauung der Termin gestrichen wird.“ Er wundert sich jedoch, „dass die Behörden den Termin seit Langem kennen und uns nicht über die Schwierigkeiten informiert haben“. Immerhin hatte er nach eigenen Angaben bereits eine rechtsverbindliche Terminzusage vom Standesamt. Und warum ausgerechnet Hochzeit am 24. Dezember? „Weil dann garantiert ist, dass wir den Tag immer gemeinsam verbringen können.“

Möglicherweise erfuhr Dahlemann so spät von dem Termin-Problem, weil „die Behörden“ in Torgelow sich nicht an dem Termin am Heiligabend störten. Bürgermeister Ralf Gottschalk ist ein guter Freund des Staatssekretärs und war zur geplanten Feier im kleinen Kreis in Torgelow eingeladen.

Eingemischt hat sich die Standesamtsaufsicht des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Sie erfuhr – möglicherweise bereits vor sechs Wochen aus einem großen Artikel im „Nordkurier“ – von Dahlemanns Hochzeitsplan. Statt allerdings seiner Aufsichtspflicht nachzukommen und den Termin zu untersagen, fragte die Standesamtsaufsicht beim Schweriner Innenministerium an. „Nach unserer Auffassung verstößt die Beschäftigung von Standesbeamten an einem Sonntag gegen das Sonn- und Feiertagsgesetz. Es verstößt auch gegen Tarifrecht bei angestellten Standesbeamten und gegen die Arbeitszeitverordnung bei beamteten Standesbeamten“, verlautbarte eine Ministeriumssprecherin. Damit habe das Innenministerium den Hochzeitstermin am 24. Dezember 2017 aber nicht verboten. Der Landkreis habe „in eigener Zuständigkeit zu entscheiden“. Der Landkreis hatte gestern auch noch nichts entschieden, sondern lediglich die Stadt Torgelow „informiert“, wie eine Sprecherin sagte. So wanderte der Schwarze Peter rauf und wieder runter und landete bei Torgelows Bürgermeister Gottschalk. Auch er gab sich überrascht von den Terminschwierigkeiten. Nun aber werde man die Hochzeit „rechtskonform und rechtssicher durchführen“. Er sei es „dem hohen Amte“ Dahlemanns schuldig, dass kein Makel an der Hochzeit haften bleibe. Daran hat auch Dahlemann kein Interesse. Wann der Staatssekretär standesamtlich heiratet, wollten weder Gottschalk noch Dahlemann verraten. Möglicherweise trabt der Torgelower Amtsschimmel noch rechtzeitig durch eine Lücke im Gesetz.
 

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