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Kunstherzen : Patienten wieder lebenstüchtig machen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Akutrehaklinik in Leezen hat sich als bundesweit einzige auf die Betreuung von Kunstherz-Patienten mit Komplikationen spezialisiert.

svz.de von
erstellt am 29.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Es ist Fluch und Segen zugleich: „Die zurückgehende Organspendebereitschaft hat dazu geführt, dass die Entwicklung von Kunstherzen noch einmal einen zusätzlichen Schub bekommen hat“, weiß Prof. Dr. Bernd Frank, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor der Helios Klinik Leezen. Viele ansonsten todgeweihte Patienten bekämen so doch noch eine zweite Chance.

Aber nicht jeder würde gleich gut mit einem Kunstherzen leben können. „Treten Komplikationen auf, kommen die Patienten zu uns“, so Prof. Frank. Seines Wissens ist die Leezener Akutrehaklinik die einzige bundesweit, die sich auf die Betreuung von Patienten mit einem Kunstherzen spezialisiert hat. „Wir haben ständig solche Patienten im Haus, mal zwei oder drei, aber es waren auch schon fünf oder sechs gleichzeitig hier“, erklärt der Ärztliche Direktor. Der Bedarf sei zeitweise sogar noch größer, mehr sei von der Klinik aber nicht leistbar. Denn die Rehabilitation der Kunstherzpatienten ist aufwändig und langwierig – die Mitarbeiter müssen speziell dafür geschult werden. Erschwerend kommt dazu, dass unterschiedliche Kunstherz-Modelle am Markt sind.

„Weil es sich beim Kunstherzen um eine Mikrozirkulationspumpe handelt, die sich nicht zusetzen darf, werden die Patienten mit Blutverdünnern behandelt“, erläutert Prof. Frank. Doch auch das birgt Risiken. Schlaganfälle oder Blutungen ins Gehirn sind mögliche Komplikationen.

Kaum einer der Leezener Kunstherz-Patienten ist daher ansprechbar. Viele müssen beatmet werden, andere sind zudem beispielsweise auch noch dialysepflichtig.

Eine einheitliche Therapie für die Kunstherz-Patienten gibt es nicht. „Wir bauen hier ja keine Autos“, so Prof. Frank. So individuell, wie die Beschwerden seien, so individuell müsse auch darauf eingegangen werden. „Wir versuchen, die schweren Begleiterkrankungen zu stabilisieren und die Patienten wieder lebenstüchtig zu machen“, beschreibt der Mediziner das Ziel der Rehabilitation. „An der Haupterkrankung aber können auch wir nichts ändern.“

Und mitunter auch daran nichts, dass sich der Zustand eines Patienten während der Reha wieder verschlechtert. Für solche Fälle, so der Ärztliche Direktor, gebe es nicht nur kurze Verbindungen zu den deutschen Niederlassungen der meist aus den USA kommenden Herstellerfirmen. Auch zu den Herzzentren, die Kunstherz-Patienten nach Leezen schicken – beispielsweise den Medizinischen Hochschulen in Kiel, Lübeck, Münster oder Hannover – gebe es Stand-by-Leitungen. Gemeinsam mit den Ärzten dort werde dann entschieden, was dem Patienten am besten helfen kann.

Da es in Leezen keine Herzchirurgie gibt, müssten die schwerkranken Frauen und Männer notfalls auch wieder zurückverlegt werden – per Hubschrauber. „In 20 bis 30 Minuten kann er aus Güstrow bei uns sein“, so Prof Frank.

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