zur Navigation springen

Online-Beartung der Piraten : Parteitag auf der heimischen Couch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Piraten in Mecklenburg-Vorpommern planen, größere Beratungen ins Internet zu verlegen – und dadurch Kosten zu sparen

svz.de von
erstellt am 18.Mär.2017 | 16:00 Uhr

Stell dir vor, es ist Parteitag, und keiner geht hin. Für die Mitglieder der Piratenpartei im Land ist das kein Problem, im Gegenteil: Sie unternehmen einen neuen Anlauf, um einen Online-Parteitag einzuführen. Einen entsprechenden Beschluss hat die letzte Landesmitgliederversammlung in Rostock gefasst, so Parteivorsitzender Dennis Klüver.

Es ist nicht der erste Versuch, Zusammenkünfte aus der realen Welt ins Internet zu verlegen. Bereits 2012 hatten die Piraten auf Bundesebene versucht, online eine ständige Mitgliederversammlung einzuführen. „Liquide System, das System, mit dem das damals gemacht wurde, funktionierte anfangs auch einigermaßen“, erinnert sich Klüver. „Aber dann konnte nicht mehr sichergestellt werden, dass zum Beispiel geheim abgestimmt wurde. Daraufhin wurde der Versuch abgebrochen. “ Später hätte es auf Bundesebene noch einen weiteren Versuch gegeben, Basisabstimmungen online zu organisieren, doch auch der schlug wegen technischer Probleme fehl.

Jetzt aber haben die Brandenburger Piraten auf Landesebene vorgemacht, wie ein Parteitag im Netz funktionieren kann. Am letzten Februarwochenende stimmten sie erstmals statt in einer überfüllten Halle per Mausklick vom heimischen Sofa aus ab. Einzige Voraussetzung: Jedes Mitglied musste auf seinem PC oder Laptop die Open-Source-Software Mumble installieren. Und: „Man muss sich vorher akkreditieren und bekommt dann einen Zugangscode für den entsprechenden Chatraum“, erläutert Klüver, der die Brandenburger Erfahrungen jetzt in den Nordosten übernehmen will.

Auch für Gäste oder für Pressevertreter gebe es virtuelle Räume, sie könnten natürlich ohne Zutrittscode betreten werden. Ein weiterer „Raum“ ist dem Saalmikrofon vorbehalten – „denn auch auf einem Online-Parteitag können natürlich nicht alle durcheinanderreden“, so Klüver. Die Reihenfolge der Redner festzulegen, läge auch bei einem Online-Parteitag in der Verantwortung der Versammlungsleitung.

Um dieses Prozedere auch in Mecklenburg-Vorpommern einführen zu können, müssen die Piraten einige Änderungen an ihrer Satzung beschließen. Und: „Geheime Abstimmungen sind noch nicht möglich“, erläutert Klüver. Deshalb wird es auch künftig Piratenparteitage in der realen Welt geben. Dazwischen aber sind virtuelle Parteitage oder Mitgliederversammlungen eine Möglichkeit, schnell auf aktuelle politische Entwicklungen zu reagieren. Zudem werden die Kosten für Saalmiete und -technik und vor allem auch für die Anreise der Mitglieder gespart. „In einem Flächenland wie unserem ist das kein unwichtiger Aspekt, schließlich haben wir auch Mitglieder in Stralsund oder Pasewalk, für die die Anreise zu einem Parteitag zum Beispiel nach Schwerin doch mit einigem Aufwand verbunden ist“, so der Landesvorsitzende.

Die erforderlichen Satzungsänderungen sollen auf der nächsten Mitgliederversammlung beschlossen werden. Der erste Online-Parteitag könnte dann Klüver zufolge im Spätsommer stattfinden – allerdings noch „mit doppeltem Boden“: Zum Test werden wahrscheinlich alle Piraten zu einer realen Versammlung eingeladen, zu der sie dann aber ihre Rechner mitbringen und das Vorgehen testen.

Die Resonanz auf die Pläne sei im 140-köpfigen Landesverband positiv, erzählt der Landesvorsitzende. Ein Pirat habe ihm sogar gesagt: „Toll, dann kann ich mir den Zugangscode ja mit in den Urlaub nehmen und von dort aus dabeisein.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen