Serie: Parteiprogramme im Test : Parteien zeigen Herz für die Azubis

In vielen Handwerksberufen mangelt es an Auszubildenden.
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In vielen Handwerksberufen mangelt es an Auszubildenden.

MV gilt nach wie vor als Niedriglohnland mit hoher Arbeitslosenquote – welche Lösungen bieten SPD, CDU und Co. an?

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09. August 2016, 06:00 Uhr

Am 4. September wählen die Bürger einen neuen Landtag – eine neue Regierungskonstellation ist möglich. Damit es den Mecklenburgern und Vorpommern nicht so geht wie den Briten beim Brexit, analysieren wir in einer kurzen Serie die Programme der Parteien. Was bekommt der Wähler, wenn er wen wählt. Heute: Arbeit und Ausbildung

„Gute Arbeit – gute Löhne – gute Zukunft“ oder „Leben und arbeiten, wo andere Urlaub machen“ – an markigen Sprüchen mangelt es zur Landtagswahl nicht. Welche konkreten Ideen sich dahinter verbergen, verrät erst ein Blick in die Wahlprogramme.

Die SPD hat sich dazu ein „ganz wichtiges Ziel“ ins Programm geschrieben: gleiche Löhne in Ost und West. Gemeinsam mit den Gewerkschaften und der Wirtschaft wollen die Sozialdemokraten dafür werben, dass sich möglichst viele Unternehmen zur Zahlung von Tariflöhnen verpflichten. Um mehr Langzeitarbeitslose wieder an den ersten Arbeitsmarkt heranzuführen, sollen die Jobcenter mit besseren Ressourcen ausgestattet werden. Für Auszubildende wollen die SPD-Mitglieder sich auf Bundesebene für die Einführung einer Mindestvergütung einsetzen.

Die Stärkung der beruflichen Ausbildung ist auch für die CDU ein Thema. Die Christdemokraten plädieren für eine stärkere finanzielle Unterstützung der Auszubildenden, etwa durch Fahrkostenzuschüsse und die Übernahme von Unterbringungskosten. Zum Thema Langzeitarbeitslosigkeit hält die CDU dagegen lediglich fest: „Damit diesen Menschen die Chance auf einen Arbeitsplatz geboten wird, müssen entsprechende Arbeitsplätze verstärkt staatlich subventioniert werden.“ Dafür müsse mit geeigneten Betrieben verhandelt werden.

Den Fachkräftemangel möchten die Christdemokraten bevorzugt mit Kandidaten aus MV beseitigen. Menschen, die mangels Perspektive weggezogen sind, sollen mit wirksamen Anreizen zurückgeholt werden. Für die CDU entscheidend: starke Tarifpartner. Die Partei will deshalb für Tarifverträge in allen Branchen werben.

Nach Auffassung von Bündnis 90 / Die Grünen muss das Land die Ausbildung junger Menschen stärker unterstützen. Mit einem „Ausbildungsticket“, sollen Azubis kostenlos Bus und Bahn nutzen können. Angeregt wird außerdem die flächendeckende Einführung von Berufsagenturen speziell für Jugendliche. Beim Thema Lohngerechtigkeit will die Partei zusammen mit Gewerkschaften und Unternehmensverbänden eine Beratung aufbauen, mit dem Ziel Minijobs in reguläre Beschäftigungen umzuwandeln.

Auch die Linke hat sich auf die Fahne geschrieben, Leiharbeit, Werkverträge und Minijobs weiter zurückdrängen. Das unbefristete Arbeitsverhältnis müsse zur Normalität werden – bei der Vergabe von öffentlichen Geldern die Tarifbindung von Unternehmen stärker berücksichtigt werden. Chancen für Langzeitarbeitslose sehen die Linken vor allem in der Gemeinwohlarbeit. In Bereichen wie Umwelt, Sport und Soziales gäbe es genug Arbeit. In Kooperation mit der Arbeitsagentur sollen deshalb Möglichkeiten für öffentlich-geförderte Beschäftigung geschaffen werden.

Bei der AfD wird das Thema Arbeit eher knapp abgehandelt. Die Partei will sich für eine faire Entlohnung einsetzen. Details dazu nennt sie allerdings nicht. Wie andere Parteien will auch die AfD für Azubis die Fahrten zur Berufsschule und den Kauf von Lernmaterialien fördern.

Eine ähnliche Forderung hat die FDP ebenfalls im Programm. Ansonsten wollen die Freien Demokraten für alle Maßnahmen eintreten, die dazu führen, dass sich Leistung für denjenigen lohnt, der arbeitet. Konkreter wird es in dem Punkt aber nicht. Das Vergabegesetz bei öffentlichen Aufträgen, mit dem MV ein Vorreiter für einen Mindestlohn von 8,50 Euro war, würde die FDP dagegen wieder abschaffen.

>> Alles rund um die Landtagswahl MV am 4. September lesen Sie in unserem Dossier.

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