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Dorf am Tollensesee : Park muss geräumt werden

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Insolvenz und Betrug: Wohnprojekt in Alt Rehse vor dem Ende – Gericht gibt Klage von Eigentümer statt

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2014 | 07:45 Uhr

Der Park wirkt verwaist, Obstwiesen und Gebäude wuchern langsam zu. „Es wird höchste Zeit, dass sich hier etwas tut“, sagt Fritz Krüger als Ortsbeauftragter in Alt Rehse (Kreis Mecklenburgische Seenplatte). Das Dorf am Tollensesee bei Neubrandenburg war in den 1930er-Jahren mit reetgedeckten Backstein-Fachwerkhäusern als NS-Musterdorf aufgebaut worden, im Park befand sich die „Führerschule der deutschen Ärzteschaft“.

Seit Jahren behindert Streit die Zukunft des Parks und damit des Dorfes. Gestern hat das Landgericht Neubrandenburg dazu ein Urteil gefällt. Der Klage des Eigentümers des Parks gegen die Betreiber des alternativen Wohnprojektes Tollense-Lebenspark wurde stattgegeben. „Die Beklagte muss die Grundstücke und Häuser im Park herausgeben“, sagte Richter Steffen Seligmüller im fast leeren Gerichtssaal. Kläger ist der Münchner Immobilienmakler Gerd Preissing. Er hatte den 65 Hektar großen Park mit Militärbunkern vom Bund gekauft und 2006 an die Betreiber des alternativen Wohnprojektes verpachtet. „Vom vereinbarten Preis von zwei Millionen Euro bekam Preissing nur etwa 530 000 Euro“, sagt der Anwalt des Immobilienmaklers, Horst Förster. „Ich hoffe, dass die Gegenseite das Urteil nun akzeptiert und es schnellstmöglich zur Herausgabe kommt.“

Der Eigentümer will neue Konzepte im Park umsetzen, die Gemeinde hofft auf eine Belebung – und, dass der Wechsel ohne allzu große Vandalismusschäden abläuft. Försters Appell richtet sich an Bernhard und Christoph Wallner, zwei Brüder aus Bayern, die den Tollense-Lebenspark gründeten, und an die Insolvenzverwalterin Susanne Müller. Nach den ersten Jahren, in denen bis zu 30 Menschen in den Park Alt Rehse zogen und eine alternative Lebensform finden wollten, ist es sehr ruhig geworden. „Derzeit wohnen noch sieben Leute im Park“, sagt ein Anwohner, der seinen Namen lieber nicht sagen will. Er habe noch Geld von Wallners zu bekommen. Anscheinend nicht nur er, die Gemeinschaft ist zerstritten. Die Neubrandenburger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdacht des Betruges, der Urkundenfälschung und Insolvenzverschleppung gegen die Wallner-Brüder. In dem Zuge kam es schon zu Durchsuchungen, auch Computer wurden beschlagnahmt. Die Beschuldigten sollen ein kompliziertes Firmengeflecht gegründet, aber selbst immer die Kontrolle über die Finanzen behalten haben. 2013 ging eine der Gesellschaften in Insolvenz, seitdem befasst sich Anwältin Müller aus Templin mit den Angelegenheiten. „Wir hoffen, dass auf der nächsten Gläubigerversammlung der Tollense GmbH & Co KG der Weg für eine Herausgabe freigemacht wird“, erklärt Anwalt Förster.

Bernhard Wallner selbst hofft noch. „Es gibt weiter Gespräche und Verhandlungen“, sagt der Jurist und Geschäftsmann am Telefon. Man werde „in den nächsten Wochen entscheiden“.  Überdies sehe er sein alternatives Lebensmodell verfolgt. Das sei „wie in der Ukraine und Syrien, nur dass man keine Bomben auf uns wirft“.

Das Urteil des Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig. „Die Frist für eine Berufung ist einen Monat nach Zustellung des Urteils“, sagt Anwalt Förster. Er wohnt neben dem Park Alt Rehse.

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