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Hohe katholische Auszeichnung an ehemaligen Landtagspräsidenten : Papst-Orden für Rainer Prachtl

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Kurz vor seinem Rücktritt hatte Papst Benedikt XVI. noch eine Überraschung für einen Prominenten aus MV parat. Er sprach dem ehemaligen Landtagspräsidenten Rainer Prachtl die Auszeichnung "Pro Ecclesia et Pontifice" zu.

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erstellt am 10.Apr.2013 | 07:58 Uhr

Neubrandenburg | Kurz vor seinem Rücktritt hatte der "deutsche" Papst Benedikt XVI. noch eine Überraschung für einen Prominenten aus Mecklenburg-Vorpommern parat. Er sprach dem ehemaligen Landtagspräsidenten Rainer Prachtl die hohe Auszeichnung "Pro Ecclesia et Pontifice" zu. Damit wollte er anerkennen, dass sich der katholische Neubrandenburger seit langem "für Kirche und Papst" - so die Übersetzung der Ehrung - und für zahlreiche soziale Belange engagiert. Erzbischof Werner Thissen wird Prachtl heute in Schwerin das Ehrenkreuz überreichen.

"Mit einer solchen Auszeichnung habe ich nie gerechnet", sagte Prachtl gegenüber dieser Zeitung. Auch sieht er nicht nur sich selbst geehrt. "Einbezogen sind all jene Katholiken, die wie ich unter dem DDR-Regime gelitten und zu ihrer Kirche gestanden haben, und auch all jene Menschen, die sich nach der Wende für den Aufbau des ,neuen Deutschlands engagierten, und jene, die im Dreikönigsverein in Neubrandenburg mitwirken."

Bei einer Audienz in Rom hatte Prachtl bereits Papst Johannes Paul II. persönlich kennen gelernt. Dessen Nachfolger Benedikt XVI. traf Prachtl sogar dreimal - allerdings, als der spätere Papst noch Kardinal Joseph Ratzinger war. "Er war immer tief beeindruckt von den Katholiken, die in einer Diaspora lebten", berichtet Prachtl, "und er hat sie immer ermuntert und bestärkt, ihren Glauben weiter zu leben". Auch für den neuen Papst Franziskus hegt der Neubrandenburger große Sympathien, gehört doch der Heilige Franziskus, der im zwölften Jahrhundert lebte, zu Prachtls katholischen Leitfiguren.

Auch der Katholik Prachtl, 1950 in Neubrandenburg geboren und heutzutage ein geselliger, gestandener Mann mit positiver Lebenseinstellung, wuchs in der Diaspora auf, also als Mitglied einer Glaubensgemeinschaft in einem überwiegend nicht-katholischen und vor allem zum Ende der DDR hin auch nicht-gläubigen Umfeld. "Damals war es nicht leicht, in Mecklenburg katholisch zu sein", berichtet Prachtl. "Es war manchmal schwer, den Kopf hoch zu halten und redlich zu bleiben." Gerade wer als Kind und als Jugendlicher nicht im Strom mitschwimmt, kann auch heute noch nachempfinden, wie einsam sich der junge Katholik Prachtl manchmal fühlte.

Da ihm das angestrebte Wunsch-Studium verwehrt wurde, begann Prachtl anfangs eher widerwillig eine Lehre als Koch. Eine Anstellung fand er später bei der katholischen Caritas. In Neustrelitz baute er sogar eine kleine Hauswirtschaftsschule für bis zu 30 Schüler auf. Prachtl: "Ich wurde dadurch Ansprechpartner für die so genannten Küchen-Schwestern in vielen katholischen Einrichtungen in der gesamten DDR." Und er verband das Kochen auf seine "praktische" Art mit seinem Glauben. Passend zu Rezepten schrieb er die Geschichten katholischer Heiliger auf, die von den Katholiken an bestimmten Tagen besonders geehrt werden. "Von Sankt Martin bis Silvester" hieß das "erste christliche Kochbuch", das in der DDR 1988 erschien. Fertig gestellt hatte es Prachtl bereits sieben Jahre zuvor. Aber er durfte es nicht veröffentlichen.

Mit der Wende trat Prachtl in die CDU ein. 1990 wurde er in den Schweriner Landtag und dort zum Parlamentspräsidenten gewählt. Neben seinem politischen begann Prachtl aber sein soziales Engagement vor allem in Neubrandenburg. Der Dreikönigsverein, von Prachtl maßgeblich aufgebaut, betreut seit inzwischen 20 Jahren Jugendprojekte, vergibt einen Sozial-Preis und betreut vor allem das Hospiz in der Neubrandenburger Lindenstraße. Unabhängig von ihrer Weltanschauung und Herkunft will der Hospizdienst des Vereins Sterbenden und ihren Angehörigen helfen, die letzte Lebenszeit bewusster zu gestalten.

Jährlich zum 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige, lädt der Dreikönigsverein zudem zum Benefizessen ein. Prachtl hat dabei häufiger seine Kontakte in die politischen Sphären genutzt, um prominente Festredner zu gewinnen, die wiederum zahlungskräftige Gäste anlockten. Hans-Dietrich Genscher, Roman Herzog und Joachim Gauck haben ebenso vor dem Neubrandenburger Publikum gesprochen wie Angela Merkel. Der größte Coup gelang Prachtl allerdings, als er 1998 Michael Gorbatschow in die Vier-Tore-Stadt holte.

Prachtl sei als bekennender Katholik, sozial engagierter Politiker und menschenfreundlicher Organisator in allen gesellschaftlichen Schichten hoch geschätzt, heißt es in norddeutschen katholischen Kreisen über den vom Papst Geehrten. Obwohl seine Kirche in den vergangenen Jahren oft öffentlich kritisiert wurde und in Mecklenburg-Vorpommern die Schar der Katholiken weiterhin klein ist, sieht sich Prachtl keinesfalls mehr in der Diaspora lebend: "Es wird inzwischen als normal angesehen, wenn jemand katholisch ist." Das sieht er dadurch bestätigt, dass ihm nicht nur Katholiken und andere Christen zur päpstlichen Ehrung gratuliert haben, "sondern auch viele Menschen "guten Willens", wie Prachtl diese Nicht- oder Andersgläubigen nennt. So mancher sei darunter, da ist sich Prachtl sicher, der auch Sehnsucht "nach dem Geheimnis hat, das Glauben ausmacht". In dieser "stark wissenschaftlichen Welt", so fügt er - vorsichtig für seine Kirche werbend - hinzu, "braucht der Mensch so etwas".

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