Prozess: Baby-Misshandlung : „Papa aua macht“

Der Vater vor Gericht
Der Vater vor Gericht

Im Stralsunder Prozess um die schwere Misshandlung eines drei Monate alten Babys aus Dranske hat die Mutter dem angeklagten Vater die Schuld zugewiesen.

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22. April 2015, 21:00 Uhr

Im Stralsunder Prozess um die schwere Misshandlung eines drei Monate alten Babys aus Dranske hat die Mutter dem angeklagten Vater die Schuld zugewiesen. Zugleich wies sie Vorwürfe des 34-Jährigen zurück, an den Misshandlungen der gemeinsamen Tochter beteiligt gewesen zu sein. Sie sagte gestern vor dem Landgericht, er habe das Kind am 19. Oktober so stark geschüttelt, dass der Kopf vom Nacken auf die Brust geflogen sei. Danach habe er die Kleine auf die Couch gelegt und ihr mit den Ellbogen in den Rücken gehauen.

Am Abend und am nächsten Tag sei das Mädchen, das bis dahin ein Schreikind gewesen sei, sehr ruhig gewesen. Auf die Frage der Richterin, warum sie keinen Notarzt gerufen habe, erklärte die Frau, sie sei hilflos gewesen: „Ich wusste nicht, wo ich hin sollte.“ Die Staatsanwaltschaft ermittelt bislang wegen unterlassener Hilfeleistung gegen die Mutter.

Der Mann, der mit seiner Verlobten und den drei gemeinsamen Kindern zum „Probewohnen“ als letzte Stufe des Maßregelvollzuges auf Rügen lebte, hatte ein Teilgeständnis abgelegt, aber auch die Mutter schwer beschuldigt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, das Kind in sechs Fällen schwer misshandelt zu haben. So soll er am 18. Oktober in Abwesenheit der Mutter den Kopf des Kindes zwischen Türrahmen und Türblatt geklemmt haben. Die Staatsanwaltschaft bezieht sich auf Aussagen des dreijährigen Geschwisterkindes.

In einem Polizeivideo, das gestern abgespielt wurde, demonstriert der Junge seine Beobachtungen mit Hilfe eines Teddys. „Papa Tür zuruppt“, sagt der Kleine. Auch einer Polizistin, die auf die Kinder kurzfristig aufpasste, hatte er gesagt: „Papa aua macht“. Eine Psychologin hält die Aussagen des Kindes für glaubwürdig.

Wie die Mutter zuvor erklärt hatte, soll schon an diesem Abend das Mädchen blaue Flecken gehabt und aus Nase und Mund geblutet haben. Die Familiensituation beschrieb sie – wie auch er – als konfliktreich. Das häufig schreiende Kind – kein Wunschkind, wie beide aussagten – war offenbar für beide eine große Herausforderung. So habe er zu ihr gesagt: „Bring du sie zum Schweigen, sonst mach ich das für immer.“ Die Frau sprach auch von tätlichen Angriffen ihres Ex-Verlobten gegen sie. Er will hingegen beobachtet haben, dass sie das Kind geschüttelt und ihm mit der Faust auf den Kopf geschlagen habe.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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