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Video: Panzerfahrschule Grimmen : Panzer, Matsch und harte Kerle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zwischen Stralsund und Greifswald bieten Mathias Krieghoff und sein Team Fahrten mit echten Panzern an. Das ist auch ein Spaß für Frauen

Endlich liegt ein Hauch Frühling in der Luft – die Vögel beginnen wieder zu zwitschern, Frühblüher säumen die Wegesränder und die Temperaturen werden zunehmend angenehmer. Schöner als heute könnte ein Frühlingsmorgen kaum sein – wären da nicht die bebende Erde und das laute Knattern und Knallen.

Plötzlich schieben sich schwere Ketten durch den noch matschigen Boden und ein Panzer rollt vorbei. Überall sonst würde dieser Anblick wahrscheinlich Panik verbreiten. Hier in Grimmen jedoch leuchten die Augen der Anwesenden beim Anblick dieses 34 Tonnen Kolosses regelrecht auf – denn mit dem T55, einem russischen Bergepanzer, dürfen auch sie heute fahren.

 

Möglich ist das in Mecklenburg-Vorpommern nur an zwei Orten: In Kuchelmiß und in der Panzerfahrschule Grimmen. „In Deutschland gibt es schon einige solcher Anlagen, aber eher in Mittel- und Süddeutschland. Diesen Spaß wollten wir unseren Kunden auch bieten“, erklärt Mathias Krieghoff, Leiter der Anlage. Doch woher bekommt man eigentlich einen Panzer?

„Das ist etwas kniffelig, da die Bundeswehr zum Beispiel alle ihre ausgedienten Modelle entweder ins Ausland zur Weiternutzung verkauft oder vernichtet“, erklärt der Stralsunder. Zudem fallen die „Eisenschweine“ unter das Kriegswaffenkontrollgesetz und können nicht „einfach so“ erworben werden. Die ersten Panzer hat das Team um Harald Brehmer – Chef des Technikparkes – in Tschechien erworben. Damit ist jedoch erst ein Teil der Arbeit erledigt. Denn einen einsatzfähigen Panzer dürfen nur die Bundeswehr, die Polizei, die Feuerwehr oder der Katastrophenschutz besitzen. „Bei uns fahren daher nur entmilitarisierte Oldtimer“, erklärt Krieghoff. Das heißt: keine Kanonen, abgedeckte Schützenluken und nachgerüstete Schalldämpfer. Laut sind die Panzer trotzdem – kaum vorstellbar, dass das dumpfe Grollen heute nur ein Teil der eigentlichen Lautstärke ist. „Für jeden Panzertyp gibt es ganz bestimmte Vorgaben, wie er zu entmilitarisieren ist.“

Beim russischen Bergepanzer hieß das beispielsweise, dass die vorher etwa zehn Zentimeter dicke Panzerung durchgebrannt und nur mit einer dünnen Metallplatte ersetzt werden durfte. Neben dem T55 stehen im Technikpark auch Schützenpanzer vom Modell BMP 1 und – eine Seltenheit in Deutschland – ein deutscher Kampfpanzer Leopard 1. „Auf den Leo sind wir besonders stolz. Er war dieses Jahr auch schon einige Male draußen“, erzählt Krieghoff. Die Besucher rund um Dominik haben sich heute aber für den T55 entschieden.

Der Marineoffizier hat das Panzerfahren von seinen Kumpels zum 30. Geburtstag geschenkt bekommen – zum nächsten Jubiläum geht es dann vielleicht in die Lüfte. Bevor er jedoch die 34 Tonnen Metall führen darf, gibt es zunächst eine Einweisung. „Das ist Standard bei uns, damit niemandem etwas passiert.“ Doch hier liegt die Würze in der Kürze, schließlich seien die Gäste ja da, um etwas zu erleben. Für Dominik heißt es also bald, Kappe auf und rauf auf den Panzer. Seine weiblichen Begleiterinnen dürfen sogar hinten mitfahren – stilecht auf weich gepolsterten Sitzgelegenheiten, die am Panzer nachgerüstet wurden.

„Die Pedale sind genauso angeordnet wie bei einem PKW – das Gas ist rechts, die Bremse in der Mitte und die Kupplung links“, erklärt Clemens Kulbe. Er ist heute Dominiks Panzer-Fahrlehrer und kann mit Hilfe eines in die Panzerhaube eingebauten Headsets mit ihm kommunizieren. Mit den Pedalen hören die Analogien zum normalen Fahrzeug aber schon auf. Denn eine Frontscheibe hat der Panzer nicht. Nur Winkelspiegel, die die Umgebung bestenfalls erahnen lassen. Da aber kein Gefecht ansteht, kann Dominik einfach den Kopf durch die offene Einstiegsluke stecken.

Also Hände ans Lenkrad – ach nein, auch das gibt es nicht. Stattdessen sind schwere Hebel zur Gangschaltung und Lenkung zu betätigen. Besonders die Schaltung bereitet dem Stralsunder Dominik ab und an Probleme. Denn dafür braucht es etwa einen Druck von 20 Kilogramm. Nur was für Männer und Hartgesottene, könnte man da denken.

„Eigentlich ist Panzerfahren was für jedermann“, erklärt Mathias Krieghoff. Sein Kollege Carsten Müller ergänzt: „Wir hatten auf der Bahn schon alles: von 80-jährigen Opas bis hin zu Anzugträgern, Muttis und Zahnärzten. Unsere Kunden sind ein Querschnitt der Gesellschaft.“ Und nicht nur das. Auch Frauen wären weit öfter zugegen als man annehmen könnte. Bei der heutigen Verteilung mit Dominik und seinen fünf Begleiterinnen ist das nicht schwer zu glauben. Fahren wollte von den Damen aber keine freiwillig. Stattdessen genossen sie die wilde Fahrt über die ehemalige Tonkuhle. „Bei Höhenunterschieden von bis zu 15 Metern macht das schon richtig Laune“, freut sich Dominik. Und viel zu schnell neigt sich sein Panzerabenteuer nach einigen Runden übers Gelände auch dem Ende zu. Nicht aber ohne abschließenden Höhepunkt:

Wenn man schon mal einen echten Panzer unterm Hintern hat, muss man den natürlich ausprobieren. Darunter muss heute ein kleiner blauer VW Golf leiden. „Schade ist es aber nicht drum“, witzelt Dominik. Und vor lauter Schadenfreude ziehen sich seine Mundwinkel immer weiter zu einem zufriedenen Grinsen hoch, als er das Schrottauto leicht wie ein Modell platt fährt. „Fühlte sich an, wie eine Bodenwelle“, kommentiert er. Fertig ist er mit der bereits sehr platten Version eines Autos aber noch nicht – zweimal fährt der Stralsunder noch drüber, bevor er eine recht flache Platte zurücklässt. Am Panzer ist – bis auf ein paar kleine blaue Lackpartikel – nichts vom Crash zu sehen.

„Wir sind eigentlich immer auf der Suche nach neuen Schrottwagen“, erklärt Krieghoff dazu. Aber wer will, könne auch seinen eigenen mitbringen. „Wir hatten mal eine Gruppe von Kfz-Meistern hier, denen ein bestimmter Wagen jahrelang Ärger gemacht hat. Sie haben ihn nie richtig zum Laufen gebracht. Zur Frustbewältigung kam er dann unter die Ketten.“ Wie der Golf.

Für Dominik war das Panzerfahren ein echtes Erlebnis. „Das würde ich jedem weiterempfehlen“, schwärmt er. Der Stralsunder selbst fühlt sich jedoch trotzdem im und am Wasser wohler. „Zum Heer will ich deshalb auf jeden Fall nicht wechseln“, sagt er und lacht.

Für den T55 heißt es jetzt erst mal zurück in die Werkstatt. Denn auch wenn es nicht den Anschein macht, so ein riesiger schwerer Panzer braucht viel Pflege. „Eine Stunde fahren bedeutet für uns eine Stunde Wartung – sonst macht der Panzer nicht lange mit“, so Mathias Krieghoff.

Auch die Suche nach Ersatzteilen gestalte sich immer schwieriger. Doch wer kann schon von sich behaupten, Panzer zu besitzen? Das macht alles wieder wett.

Tipps für den etwas anderen Freizeitspaß

Husky Schlitten Touren sind auch im Frühjahr und Sommer möglich. Beispielsweise beim Aurorakennel, Lindenstr. 3 in Neu Benthen. Oder bei Stonecreek Tours, Biesower Str. 1 in Prötzel.

Escape Games stellen die Spieler vor knifflige Rätsel. Beispielsweise beim Crypro Raum, Doberaner Str. 21 in Rostock. Oder im Rätselraum, Am Neustädter Tor 1 in Cottbus.

Echte Waffen feuern mit Flinten, Revolvern, Pistolen oder Vorderlader-Kanonen. Beispielsweise bei der Waffenburg, Zur Heide 2
im Ostseeheilbad Zingst. Oder bei Shot Event, Mühlenstr. 8a in Berlin.

Paintball ist Kriegspielen mit Farbpatronen. Möglich ist das beispielsweise im Paint Park, Am Funkamt 10 in Wöbbelin. Oder bei Planet Paintball, Eichelberge 31 in Marwitz.

Draisinenbahn und das Land kann aus einer ganz neuen Perspektive entdeckt werden. Möglich bei Draisine Mecklenburg, Röbeler Str. 49 in Bollewick. Oder bei Erlebnisbahn, An den Wulzen 23 in Zossen.

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erstellt am 13.Apr.2017 | 06:25 Uhr

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