Internet : Zwölfjährige: Jeder Zweite in MV mobil im Netz

Eine zu intensive Beschäftigung mit Medien, hemmt dem Experten zufolge die Enwticklung von Jugendlichen.
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Eine zu intensive Beschäftigung mit Medien, hemmt dem Experten zufolge die Enwticklung von Jugendlichen.

Smartphones lösen auch bei Kindern hierzulande Handys ab. Experte warnt vor Abhängigkeit.

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06. Juli 2015, 08:00 Uhr

Ein eigenes Handy – für die übergroße Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in Mecklenburg-Vorpommern ist das eine Selbstverständlichkeit. 92 Prozent der 10- bis 18-Jährigen besitzen heute nach Angaben des Digitalverbandes Bitkom ein eigenes Mobiltelefon. Vier Fünftel davon sind Smartphones, also internetfähig. Entsprechend nutzen neun von zehn Jugendlichen (91 Prozent) im Alter von 14 bis 19 auch zur Unterrichtsvorbereitung Informationen aus dem Netz.

„Bereits die Hälfte der 12- bis 13-Jährigen besitzt ein eigenes Smartphone“, erklärt der Schweriner Medienpädagoge Dr. Detlef Scholz. Er arbeitet in der landesweit einzigen Beratungsstelle für exzessiven Mediengebrauch und Medienabhängigkeit, die unter dem Dach der evangelischen Suchtkrankenhilfe angesiedelt ist. Die Tendenz sei steigend – und sicher nicht aufzuhalten, dass auch jüngere Kinder zunehmend mobil telefonierten. „Aber so lange es vorrangig darum geht, eine Kontaktmöglichkeit zu schaffen, muss es noch kein internetfähiges Smartphone sein“, warnt der Medienpädagoge. Eine Studie habe zudem ergeben, dass Menschen, die Armbanduhren tragen, sich nur halb so oft mit ihrem Handy oder Smartphone beschäftigen wie diejenigen, die dort nach der Zeit schauen müssten. Zu intensive Beschäftigung mit Medien – dazu zählten neben Handys und Internet auch Fernsehen oder Computerspiele – halte Kinder davon ab, Dinge zu tun, die für ihre Entwicklung wichtig sind, so Scholz: sich zu bewegen, sich im direkten Kontakt auszutauschen. Die entsprechenden Fähigkeiten verkümmerten oder würden überhaupt nicht ausgebildet.

Festzustellen, wann Mediennutzung außer Kontrolle gerät, sei sehr schwierig, betont Scholz: „Medien haben viele tolle Möglichkeiten, die den Alltag erleichtern – aber bei alledem muss man immer schauen, was sie mit dem Konsumenten machen.“ Antworten auf Fragen wie „Kann ich überhaupt noch abschalten?“, „Entspanne ich heute anders als noch vor wenigen Jahren?“ oder „Schaffe ich es, einen ganzen Tag oder sogar eine ganze Woche auf Medienkonsum zu verzichten?“ könnten helfen, die Frage nach einer Abhängigkeit zu beantworten. Scholz zufolge sind zwei bis drei Prozent der Gesamtbevölkerung mittlerweile medienabhängig bzw. nutzen Medien exzessiv. Doch die Wenigsten machen sich das bewusst bzw. sehen sich in einer Situation, in der sie Hilfe benötigen. „Nur etwa vier Prozent der Betroffenen finden den Weg in eine Beratungsstelle“, weiß der Schweriner Medienpädagoge.

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