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Zwei Weltraum-Brocken an einem Tag

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erstellt am 15.Feb.2013 | 08:49 Uhr

Berlin | Es sind Szenen wie aus Katastrophenfilmen: Ein Meteorit mit langem Schweif stürzt auf die Erde und verletzt zahlreiche Menschen. In der etwa 1500 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Region Tscheljabinsk wurden bei dem Absturz gestern Morgen massive Schäden angerichtet.

Warum wurde der Meteorit nicht entdeckt?

Er war wohl einfach zu klein. Abstürzende Meteoriten von geringer Größe lassen sich laut Esa-Ingenieur Rainer Kresken nur schwer vorher erkennen. "So ein Objekt - das vielleicht einen Meter groß war, würde ich schätzen, oder zwei - ist mit den heutigen Mitteln der Technik praktisch nicht vorher zu entdecken", sagte der Raumfahrtingenieur der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) dem Fernsehsender n-tv.

Wie oft stürzen Meteoriten auf die Erde?

Ein Meteoriten-Absturz ist keine Seltenheit. Im Gegenteil: "Das passiert signifikant häufiger als einmal im Jahr", sagte Heiner Klinkrad von der Esa-Abteilung Weltraumrückstände. Die meisten dieser Gesteine von Größen unter einem Meter Durchmesser schlügen allerdings im Meer ein oder auf unbewohntem Gebiet, hieß es bei der Esa. Ein Einschlag mit vielen Verletzten ist neu. "Das ist das erste Mal, dass das passiert ist, zumindest soweit wir das dokumentiert haben", sagte Esa-Experte Detlef Koschny.

Lassen sich Einschläge aus dem All verhindern?

Vermutlich schon, wenn es genug Vorlaufzeit gibt. Asteroidenforscher Alan Harris vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sieht drei Varianten. Hat man ein paar Jahre Zeit, könnte man zum Beispiel eine Raumsonde in die direkte Nähe des Brockens bringen. Ihre Gravitation würde sich auf den Asteroiden auswirken und ihn ganz langsam von seiner Flugbahn ablenken. Diese Möglichkeit wird derzeit in den USA untersucht. Variante zwei: Wie im US-Actionfilm "Armageddon" forschen Russen zu einer nuklearen Explosion unmittelbar auf oder neben einem Asteroiden. "Diese Möglichkeit wird aber sehr kontrovers gesehen", sagt Harris. Version drei: Die Idee ist es, eine Raumsonde auf dem Asteroiden einschlagen zu lassen und ihn dadurch von seiner Bahn abzubringen. "Sehr realistisch", urteilt Harris.

was hat der Meteorit mit Asteroid 2012DA14 zu tun?

Nichts. Der Absturz und der vorbeifliegende Asteroid fallen nur auf denselben Tag. "Das ist ein faszinierender Zufall. Aber er erinnert uns daran, was da draußen noch so alles rumfliegt und erforscht werden soll", sagte Dante Lauretta von der US-Weltraumbehörde Nasa. "Die beiden Objekte haben definitiv nichts miteinander zu tun, weil sie aus ganz unterschiedlichen Ecken des Sonnensystems kommen."

Warum gab es so schnell Bilder und Videos?

Das hat mit den Autofahrern in Russland zu tun. Viele haben an den Frontscheiben ihrer Wagen eine Videokamera fest installiert. Damit sichern sie sich etwa gegen die Willkür korrupter Verkehrspolizisten ab, wenn diese zum Beispiel behaupten, man sei bei Rot über eine Ampel gefahren. Auch bei Verkehrsunfällen dokumentieren die Aufnahmen oft, wer der Schuldige ist. Durch die Filmerei im Straßenverkehr fangen die Fahrer auch immer wieder ungewöhnliche Motive ein.

Ist so ein Einschlag in Deutschland Möglich?

"Das ist nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich, schon wegen der vergleichsweise geringeren Fläche Deutschlands", sagt Wissenschaftler und Astronom Manfred Gaida vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Was ist über dem Ural genau passiert?

Das wissen die Forscher noch nicht im Detail. Wahrscheinlich handelt es sich um einen gesteinshaltigen Meteoriten, der nach seinem Eintritt in die Atmosphäre zerplatzt ist und eine starke Druckwelle mit zerstörerischen Auswirkungen am Boden erzeugt hat. Gut 1000 Menschen wurden verletzt, darunter mehr als 200 Kinder, überwiegend durch die Splitter eingedrückter Fensterscheiben. Mehr als 40 Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden, zwei hatten schwere Verletzungen erlitten.

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