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Züge zermalmen Gartenhaus und Bus

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erstellt am 20.Dez.2012 | 06:15 Uhr

Düsseldorf | Der Linienbus ist wie ein Blatt Papier zerschreddert. Das Führerhaus liegt abgetrennt am Bahndamm. An den Schienen weiter hinten erkennt man das Mittelteil. Zwischen den Waggons steckt ein riesiges Metallknäuel, es könnte einmal das Dach oder Heck des Gelenkbusses gewesen sein.

An einem Bahnübergang in Düsseldorf hat sich am Mittwochabend ein spektakulärer Unfall ereignet. Dabei entgleisten auch Teile eines Güterzuges. Ernsthaft verletzt wurde - wie durch ein Wunder - niemand.

Wenige Schritte weiter von dem Übergang liegen unter der Lok die Reste eines Gartenhäuschens. Mauerteile, Holzzaun, weiße Gartenstühle und das Dach sind über den Rasen verstreut. Die Lok hat den Bahndamm zu einer Schreber gartensiedlung durchbrochen. Im Morgenlicht kommen die Anwohner und blicken ungläubig auf den Zug, der wie ein Monster auf dem Trümmerhaufen liegt. "Dass da nicht mehr passiert ist", sagt der 25 Jahre alte Marcel fassungslos. Er hat in der Nacht ständig Hubschrauber und Rettungswagen gehört und sieht sich im Hellen die Unfallstelle mit der Lok im Garten an. Geradezu unwirklich steht unbeschädigt inmitten der Ruine ein Regal mit Biergläsern und Flaschen.

Der Gelenkbus der Düsseldorfer Rheinbahn war beim Überqueren des Bahnübergangs wegen eines technischen Defekts auf den Schienen stehengeblieben und nicht mehr angesprungen, wie die Polizei mitteilte. Der Busfahrer reagierte schnell und brachte die drei Fahrgäste und sich in Sicherheit. "Viel Zeit wird da nicht gewesen sein", meint ein Bahnsprecher im Nachhinein. Denn dem Übergang näherten sich bereits zwei entgegenkommende Güterzüge, die das leere Fahrzeug förmlich in die Zange nahmen. Einer der Züge hatte auf 22 Wagen Gefahrgut geladen. Die gefährliche Fracht wurde schon in den Morgenstunden weggebracht. "Alle Waggons haben dicht gehalten", berichtete ein Feuerwehrsprecher. Der zweite Güterzug transportierte Sattelschlepper und Container. Ein Kranwagen sollte die aus den Gleisen gesprungenen Waggons und Loks wieder auf die Schienen setzen.

"Es hätte mit Sicherheit auch Tote geben können", sagt der Feuerwehrsprecher am Morgen danach. Doch auch die Lokführer blieben äußerlich unverletzt. Einer von ihnen konnte in der Nacht erst befreit werden, nachdem der Strom in den heruntergerissen Oberleitungen abgeschaltet war. Das Gartenhaus suchten die Feuerwehrleute mit einer Wärmebildkamera ab. Es war aber nicht bewohnt.

Etwa 500 Meter lang sei die Unfallstelle entlang der Güterbahn-Strecke im Düsseldorfer Süden, schätzt ein Sprecher der Bahn. Die Trasse liegt unübersichtlich inmitten von Grundstücken und hat nur wenige Übergänge.

Die Erleichterung bei allen Rettungskräften und herbeigeeilten Fachleuten ist groß. "Gott sei Dank, dass es keine Opfer gegeben hat", sagte einer der vielen Helfer nachts an der Unfallstelle. Andere sprachen von großem Glück im Unglück. Und auch Stunden nach dem Unglück wimmelt es noch von Helfern in Signalwesten.

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